Krefeld: Star-Architekt Speer soll City planen
VON JENS VOSS - zuletzt aktualisiert: 30.01.2010Krefeld (RPO). Oberbürgermeister Gregor Kathstede strebt an, mit Hilfe des international bekannten Architekten und Städteplaners Albert Speer einen Masterplan für die Krefelder City zu entwickeln. Ein erstet Gespräch hat es bereits gegeben. Der Immobilienentwickler ECE ist weiterhin an Krefeld interessiert.
Die Stadt Krefeld sucht die Zusammenarbeit mit einem der weltweit bekanntesten Architekten und Städteplaner der Gegenwart: Albert Speer. Oberbürgermeister Gregor Kathstede hat nach Informationen unserer Zeitung ein erstes Gespräch mit ihm geführt. Thema: die Möglichkeit, einen Masterplan zur Entwicklung der City zu entwerfen. Unabhängig davon ist der Immobilienkonzern ECE weiterhin daran interessiert, am Ostwall ein großes Shopping-Center zu bauen.
Speer ist spezialisiert darauf, Städte zu analysieren. 2008 hat er einen Plan für Köln vorgelegt und der Stadt in drei Zeitfenstern (fünf bis 15 Jahre) viele Vorschläge für die Umgestaltung von Plätzen, Straßen und Quartieren gemacht. Bemerkenswert: Speer erging sich nicht in Träumen von Großprojekten, sondern teilte die Stadt in sieben Räume ein.
Eigentlich hat die Stadt Krefeld schon einen Masterplan: das 300 Seiten starke Papier "Stadtumbau West. Innenstadt Krefeld. Städtebauliches Entwicklungskonzept". Das Papier ist im Mai 2009 mit Fachleuten aus Bochum und Herdecke erstellt wurde. "Stadtumbau West" war die Bezeichnung für ein milliardenschweres Programm zur Förderung der Städte in Westdeutschland – quasi als Antwort auf den Aufbau Ost.
Das Papier empfiehlt Krefeld eine kleinteilige Entwicklung von Viertel zu Viertel: Wichtig sei ein "Konzept, welches einen Großteil der Innenstadt mit einbezieht. Nur so kann gewährleistet werden, dass alle davon profitieren und nicht gewisse Bereiche den Anschluss verlieren und sich zukünftig noch stärker mit Problemen wie Leerstand oder Ansiedlung von Billiganbietern konfrontiert sehen", heißt es dort.
Die Autoren sprachen sich eindeutig gegen große Shopping-Center aus: "Darin liegt auch der wesentliche Vorteil des Konzeptes (Anmerkung der Redaktion: gemeint ist ein Konzept unter Einbeziehung der gesamten Innenstadt) gegenüber einem herkömmlichen Einkaufszentrum: Wenn der Fokus auf der Weiterenwicklung des Bestandes liegt und nicht in konzentrierter Form neue Strukturen und Angebote geschaffen werden, kommt es nicht in so erheblichem Maße zu Umsatzumverteilungen zu Lasten bestehender, oftmals traditioneller Anbieter." Pikant ist: Diese Worte spiegeln exakt die Debatte wider, die geführt wird, seitdem bekannt ist, dass ECE in Krefeld ein solches großes Einkaufszentrum bauen will.
ECE ist auch nach dem kurzfristig abgesagten Treffen zwischen Stadt und Fraktionsspitzen an Investitionen Krefeld interessiert. Eigentlich wollte ECE am Donnerstag seine Pläne vorstellen (wir berichteten). ECE-Sprecher Christian Stamerjohanns gestern zu unserer Zeitung: "Wir bedauern, dass es zu der Präsentation nicht gekommen ist. Wir hoffen, dass wir es nachholen und persönlich vorstellen dürfen, zu welchen Ergebnissen wir bei unseren Analysen gekommen sind und was wir uns vorstellen." Er betonte: "Die Stadt vergibt sich doch nichts, sich unsere Pläne anzusehen."
Kathstede hatte das Treffen abgesagt, weil ECE nur eine einzige Variante anstrebt: ein Shopping-Center, dass sich vom Kaufhof-Gebäude aus über den Theatertplatz erstreckt. Diese Variante lehnt Kathstede ab, weil damit der Schwerpunkt der Innenstadt nach Norden verschoben werde. Bislang war immer von mindestens drei Planungsvarianten die Rede.
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