Krefeld: Steht Bau des Shopping-Centers auf der Kippe?
VON SEBASTIAN PETERS UND MARTIN RÖSE - zuletzt aktualisiert: 29.01.2010 - 06:54Krefeld (RPO). Der Kaufhausentwickler ECE hat der Verwaltung überraschende Pläne präsentiert. Das geplante Einkaufszentrum soll sich über Kaufhof, Seidenweberhaus und Sparkasse erstrecken. Jetzt kommt der Konkurrent Mfi ins Spiel.
Damit hatten die Fraktionsvorsitzenden im Rat nicht gerechnet – eigentlich sollten sie gestern früh um 8 Uhr im Rathaus vom Einkaufszentrumentwickler ECE die Pläne für das geplante Shopping-Center zwischen Rhein- und St.-Anton-Straße präsentiert bekommen. Doch der Oberbürgermeister, dem ECE die Pläne schon am Vortag präsentiert hatte, lud den Kaufhausentwickler kurzfristig wieder aus. Grund: ECE hat überraschend nur eine alte Planungsvariante aus der Mottenkiste geholt – Abriss von Sparkasse und Seidenweberhaus samt Tunnel und Fußgängerüberführung zum Horten-Haus. Eine ähnliche Variante war schon vor vier Jahren politisch nicht gewollt, weil sie den Einzelhandel zu sehr schwäche.
Planungen
Die aktuelle Planungsvariante von ECE sieht vor, das Seidenweberhaus abzureißen. Offenbar favorisiert das Unternehmen dort den Neubau einer Veranstaltungshalle mit Hotel.
Oberbürgermeister Kathstede ist zuversichtlich, dass ECE auch andere Pläne präsentiert. "Wir werden Anfang kommender Woche miteinander reden. Die Tür ist nicht zugeschlagen."
Kathstede: "Ich bin sehr enttäuscht. ECE hat unsere Erwartungen keinesfalls erfüllt." Vereinbart sei gewesen, dass mehrere Varianten präsentiert würden. "Uns ist jeder Investor in Krefeld herzlich willkommen, aber mit der jetzt von ECE favorisierten Variante eines Shopping-Centers wäre niemandem gedient", sagte der OB.
In dieser Konstellation wittert jetzt ein weiterer Mitbewerber seine Chance. Nach Informationen unserer Zeitung hat auch der Essener Kaufhausentwickler Mfi bei privaten Immobilienbesitzern vorgesprochen. Treten die Essener, zweitgrößter Entwickler in Deutschland, in Konkurrenz zu ECE, der Nummer eins auf dem Markt in Deutschland? Planungsdezernent Thomas Visser sagt: "Mit der Stadt hat Mfi noch nicht gesprochen, aber wir haben von Gesprächen mit Privaten gehört." Auch in der Nachbarstadt Mönchengladbach liefern sich die beiden Kaufhausentwickler ein Duell, mit besseren Chancen für Mfi, die dort in der City bauen wollen.
Parteien reagieren
Bei den Fraktionsvorsitzenden war die Überraschung über die vom OB zurückgezogene Besprechung groß. Ulrich Hahnen kritisierte das Vorgehen Kathstedes als "dilettantisch": "Erst legt sich der Oberbürgermeister auf ECE fest, dann erklärt er öffentlich, welche Variante er sich wünscht und verdirbt dem Investor so die Preise. Damit hat er seinem Projekt einen Bärendienst erwiesen." Hahnen fordert ein unabhängiges Gutachten, welche Auswirkungen das Shopping-Center auf den Einzelhandel hätte, und ein städtebauliches Konzept. Joachim C. Heitmann (FDP): "Ich bin über das Vorgehen von Herrn Kathstede nicht glücklich, wir hätten die Pläne gerne gesehen."
Die FDP hat nun einen eigenen Gesprächstermin mit ECE vereinbart. Grünen-Fraktionsvorsitzende Stefani Mälzer befürchtet: "Da geht nun viel Zeit ins Land, bis sich was tut." Jürgen Wettingfeld (CDU): "Das ist nicht das Ende. ECE weiß jetzt, dass die Variante mit uns nicht zu machen ist. Jetzt müssen wir abwarten, ob neue Vorschläge kommen." Ein Einkaufsbereich im Norden der jetzigen City sei für ihn jedenfalls nicht akzeptabel.
Auch die Volksbank war von den ECE-Plänen überrascht. Sie sucht an der Friedrichstraße einen Nachmieter. Vorstand Klaus Geurden: "Wir waren mit ECE zuletzt vor einem Jahr im Gespräch. Erst wenn wir für die Immobilie eine Nachfolgelösung haben, können wir den Neubau an der St.-Anton-Straße beginnen."
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