Krefeld: Stolpersteine auf Gleis 1
VON PETRA DIEDERICHS - zuletzt aktualisiert: 24.02.2011Krefeld (RPO). Ab 1. März widmet der "Kulturpunkt" eine Ausstellung dem Projekt "Stolpersteine". Gunter Demnig, Initiator der Gedenksteine für die Opfer der NS-Zeit, leitet die Aktion. Die Steine waren in Krefeld umstritten.
Zehn Zentimeter der Ritterstraße sind Paula Billstein gewidmet. Dort hat sie einst gelebt. Sie war bis 1933 KPD-Stadtverordnete in Krefeld. Und sie gehörte zu den vielen, die von den Nationalsozialisten deportiert und in Konzentrationslagern ermordet wurden. Ihr Name steht auf einem Stolperstein – einem Pflasterstein mit glänzender Metallkappe, der ins Pflaster eingelassen worden ist. Weil das kleine Mahnmal vor dem Im-Brahm-Haus in unmittelbarer Nähe zum Hauptbahnhof liegt, soll dieser Stein im Mittelpunkt einer Ausstellung stehen, die am Dienstag, 1. März, im Kulturpunkt "Gleis 1" bei der Bahnhofsmission (Hauptbahnhof) eröffnet wird.
Jüdische Gemeinde lehnt ab
Die Idee, Passanten über Mahnmale für Opfer des Nationalsozialismus "stolpern" zu lassen, hatte der Kölner Künstler Gunter Demnig. Inzwischen verlegt er die zehn mal zehn Zentimeter großen Steine europaweit. Allein in Deutschland sind mehr als 500 Städte beteiligt. In Krefeld fand die Idee zunächst wenig Zustimmung. Als 2005 die ersten Gedenksteine mit Namen ermordeter Juden in der Seidenstadt verlegt werden sollten, gab es heftige Diskussionen. Die Jüdische Gemeinde lehnte diese Form des Gedenkens ab. Ihr Vorsitzender Johann Schwarz brachte die Bedenken auf einen Punkt: Das Herumtrampeln auf den Steinen könne die Gefühle Angehöriger verletzen.
Der Stadtrat wollte sich nicht über die Befürchtungen der Jüdischen Gemeinde hinwegsetzen, er lehnte das Projekt für Krefeld ebenfalls ab. Wenn die Entscheidung auch nicht leicht fiel. Denn damals waren bereits 5500 Steine verlegt worden, mehr als 100 deutsche Städte hatten sich dem Projekt angeschlossen. Da wollte Krefeld nicht gerne ausscheren. Zudem hatten Schüler der Kurt-Tucholsky-Gesamtschule und der Gerd-Jansen-Schule für Körperbehinderte für das Projekt gesammelt: Sie hatten genug Geld für 20 Gedenksteine zusammengetragen, von denen einer 95 Euro kostet. Doch bevor es zum Bürgerbegehren kam, gab es einen Kompromiss: Seit 2006 können Stolpersteine dort verlegt werden, wo Haus- und Grundbesitzer nichts dagegen haben und wenn die Angehörigen der Opfer einverstanden sind.
Die Ausstellung ist bis 19. März zu sehen und soll den "Zug der Erinnerung" ankündigen – ein Gedenkprojekt, das vom 20. bis 22. März im Krefelder Bahnhof Halt macht.
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