Krefeld: Streitpunkt i-Dötzchen-Englisch
VON TANJA BUCHHOLZ - zuletzt aktualisiert: 15.08.2008Krefeld (RPO). Englisch ist ab kommendem Februar Pflichtfach für Erstklässler. Bisher stand die Sprache ab Klasse drei auf dem Lehrplan. Grundschul- und Gymnasiallehrer in Krefeld sehen die neue Regelung kritisch.
„What’s your name?“ – Wie heißt Du? Diesen Satz lernen die i-Dötzchen, die am Dienstag in Krefeld eingeschult wurden, spätestens ab 1. Februar 2009. Das Schulministerium des Landes Nordrhein-Westfalen hat entschieden, Englisch ab dem zweiten Halbjahr des Schuljahres 2008/2009 als Pflichtfach von der ersten Klasse an einzuführen. Bisher unterrichteten Lehrer die Fremdsprache in Grundschulen erst ab Klasse drei. Spielerisch sollen die Kinder ab Beginn ihrer Schulzeit an die englische Sprache herangeführt werden.
Hildegard Reintges ist Rektorin der Grundschule Horkesgath. Sie sieht keine Probleme darin, dass die Kinder schon sehr früh Englisch lernen. Gerade in diesem Alter seien Schüler wissbegierig und offen für Neues: „Teilweise wird sogar schon in Kitas Englisch gesprochen. In der Klasse singen wir, und die Schüler lernen einfache Vokabeln wie Farben oder Körperteile. Das Vermitteln von Grammatik und Satzstrukturen steht nicht auf dem Stundenplan“, erklärt sie.
Nach Lehrplan
Der Lehrplan Englisch für Grundschulen in NRW rückt die mündliche Kommunikation in den Vordergrund. Die Anforderungen, die am Ende der Klasse vier erfüllt werden sollen, werden darin verbindlich beschrieben. Damit soll eine verlässliche Fortführung in der Sekundarstufe I gesichert werden, so dass alle Schüler in Klasse fünf auf demselben Stand sind. In der Praxis sieht das allerdings anders aus, so die Erfahrung einiger Lehrer.
Kinder lernen schnell
Auf den Stundenplänen der Erstklässler stehen künftig zwei Stunden Englisch pro Woche. Das sei möglicherweise etwas zu viel, meint Annegret Jonda, Schulleiterin der Jahnschule. „Eine Fachstunde von 45 Minuten ist eine Herausforderung, aber wir haben noch keine Erfahrungen und müssen abwarten“, sagt sie. Außerdem müssten die Lehrpläne umgestellt werden und das spielerische Lernen der Fremdsprache, das es bislang in den Klassen drei und vier gebe, in die erste Klasse verlagert werden. Die bisherigen Erfahrungen zeigen, dass die Fremdsprachenkenntnisse der Schüler teilweise stark voneinander abweichen, wenn die Kinder nach der vierten Klasse auf eine weiterführende Schule wechseln. Manche Grundschulen hielten sich schlicht nicht an die Vorgaben, die das spielerische Vermitteln der englischen Sprache – nicht des Schreibens – vorsehen, kritisieren einige Lehrer. „Es soll eigentlich nicht sein, aber manche Lehrer greifen vor und schreiben schon“, sagt Jonda. Die Gymnasien beklagen genau diese Situation – es fehlt ein einheitlicher Wissensstand der angehenden Fünftklässler. Dr. Horst Obdenbusch von Gymnasium Fabritianum ist skeptisch, ob Englisch als Pflichtfach ab Klasse eins sinnvoll ist: „Ob das ein Gewinn ist, weiß ich nicht. Konsequent wäre es, wenn man die Lernphase verkürzen würde, von Klasse eins bis zehn.“
Mehr Zeit für Lehrer
Anders sieht es der Philologenverband NRW. Es sei hilfreich, bereits in der ersten Klasse Englisch nicht nur zu sprechen, sondern auch schreiben zu lernen. „Die Gymnasiallehrer hätten Zeit gewonnen und eine solide Grundlage“, argumentiert Peter Silbernagel, Vorsitzender des Verbandes.
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