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Krefeld: 30 Jahre Hilfe für Drogensüchtige

zuletzt aktualisiert: 04.09.2010

Krefeld (RPO).

Interview Ellen Karrenberg-Bach, Leiterin der Caritas-Beratungsstelle für Alkohol- und Drogenfragen, über ihren schweren Beruf. Gestern wurde die Psychologin nach 30 Jahren in den Ruhestand verabschiedet. "Das ist eine wunderschöne Arbeit, wenn Sie sehen, wie Leute Fuß fassen."
Ellen Karrenberg-Bach: "Ich kann mich an Erlebnisse erinnern, die mich schwer mitgenommen haben." Geholfen haben die Gespräche mit Kollegen.   Foto: RPO
Ellen Karrenberg-Bach: "Ich kann mich an Erlebnisse erinnern, die mich schwer mitgenommen haben." Geholfen haben die Gespräche mit Kollegen. Foto: RPO

Frau Karrenberg-Bach, 30 Jahre arbeiteten Sie in der Drogenberatung. Viele kommen trotz Ihrer Hilfe nie von der Droge weg. Wie hält man das durch?

Ellen Karrenberg-Bach Ich wollte schon früher etwas machen, das sich nicht mit "normalen" Menschen beschäftigt. In den letzten Jahren habe ich sehr viel hier in der ambulanten Rehabilitation gearbeitet. Es geht darum, ambulant mit Leuten Therapie zu machen, damit sie ihr Alkohol- oder Drogenproblem überwinden. Das ist eine wunderschöne Arbeit, wenn Sie sehen, wie Leute Fuß fassen. Es gibt auch Leute, denen ich nicht helfen konnte.

Mussten Sie jemals einen Betreuten "abweisen", weil die Hilfe wieder und wieder scheiterte?

Karrenberg-Bach Nein, abweisen tun wir Leute nicht. Es kann nur sein, dass ein Behandlungsauftrag nicht zustande kommt, weil die Vorstellungen so unterschiedlich sind. Wir müssen natürlich schauen, ob das, was er an Behandlung machen will, mit unserer fachlichen Einschätzung übereinstimmt.

Standen Sie schon einmal an einem Punkt, an dem sie etwas persönlich so belastet hat, das Sie sich gesagt haben: Ich möchte nicht mehr?

Karrenberg-Bach Ich kann mich an Erlebnisse erinnern, die mich schwer mitgenommen haben. Da ging es um Todesfälle, um Selbstmord von Klienten. Das ist traurig, tragisch, aber das ist nichts, was mich dazu bringen würde aufzugeben. Man kann diese Arbeit nicht machen, wenn man sich nicht abgrenzt.

War der Tod regelmäßiger Begleiter?

Karrenberg-Bach Regelmäßiger Begleiter hört sich so an, als würde regelmäßig die Hälfte sterben. Im Alkoholbereich haben wir in Deutschland im letzten Jahr 70 000 Tote gehabt, also auch welche in Krefeld.

Mit 344 Toten stellte NRW 2009 das Bundesland mit den meisten Drogentoten. Fühlen Sie sich bei solchen Zahlen manchmal machtlos?

Karrenberg-Bach Ich denke es ist ein Ende, das dazu gehört, genauso wie es für einen Arzt dazu gehört, dass Krebskranke sterben. Abhängigkeit ist eine schwere chronische Erkrankung, die führt in manchen Fällen zum Tode.

Haben Sie in den 30 Jahren ihres Berufslebens eine Verschiebung der Trends beim Drogenkonsum erkennen können?

Karrenberg-Bach Als ich angefangen habe, war es noch so, dass es relativ viele klassische Opiatabhängige gegeben hat. Das gibt es kaum noch. Inzwischen ist es so, dass die Leute wirklich alles durcheinander nehmen.

Nehmen Sie die Schicksale mit nach Hause?

Karrenberg-Bach Manchmal schon.

Gibt es eine Methode abzuschalten und die Arbeit zu vergessen?

Karrenberg-Bach Naja, nun hat mein Mann Wolfgang ja auch hier gearbeitet, und da war es in vielen Fällen möglich, ihm das zu erzählen. Es ist sehr hilfreich, wenn man mit jemandem darüber spricht. Und dann haben wir hier ein super Team, so dass man es teilweise gar nicht mit nach Hause nehmen muss, weil man mit den Kollegen darüber sprechen kann. Dann hat man es eigentlich schon los.

Haben Sie ihre Berufswahl je bereut?

Karrenberg-Bach Nein, das war immer gut.

Friederike Hechler führte das Interview.

Quelle: RP

 
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