Krefeld: Studenten bekommen Kita
VON ANDREAS GRÖHBÜHL - zuletzt aktualisiert: 16.12.2009Krefeld (RPO). Für eine Million Euro entsteht an der Hochschule Niederrhein eine Kindertagesstätte. Damit macht sie einen entscheidenden Schritt hin zum angestrebten Zertifikat "familiengerechten Hochschule".
Einen großen Teil der Zeit, die Chantal Ndongo eigentlich in den Hörsälen der Hochschule Niederrhein verbringen sollte, sitzt die Chemie-Studentin in der Straßenbahn – auf dem Weg von und zur Kindertagesstätte in Elfrath. Dort wird von 8 bis 16.30 Uhr ihr 22 Monate alter Sohn Joshua-Ethan betreut.
Eine dreiviertel Stunde braucht die 34-Jährige im fünften Semester von Uerdingen bis zum Campus. Lehrveranstaltungen nach 16 Uhr kann sie überhaupt nicht besuchen, das Studium zieht sich. Jetzt aber gibt es Hoffnung für die Studentin: Die Hochschule erweitert ihr Gelände, für eine Million Euro entsteht eine Kindertagesstätte direkt am südlichen Krefelder Campus.
Auf dem Gelände nördlich der Obergath und westlich der Hochschule, wo heute noch Schrebergärten stehen, sehen die Planungen eine ebenerdige Einrichtung vor, in dem drei Gruppen à 15 Kinder untergebracht werden; 24 Unter-Drei und 21 Über-Drei-Jährige. Außerdem sind auf den 17 000 Quadratmetern neue Büro- und Seminarräume für die Hochschule vorgesehen. Bis diese kommen, wird es noch etwas dauern. Aber zumindest mit dem Bau des Kindergartens soll bereits im kommenden Jahr begonnen werden.
Die Einrichtung ist zentraler Bestandteil des Projekts "familiengerechte Hochschule". Als solche will sich die Hochschule nämlich zertifizieren lassen. Die Bewerbungsunterlagen gehen der Gleichstelltungsbeauftragten Martina Czernia zufolge noch in dieser Woche raus. Etwa 300 Studierende mit Kindern bildet die Hochschule Niederrhein in Krefeld aus. Deshalb weiß Martina Czernia: "Der Bedarf für diese Kindertagesstätte ist da."
Die Trägerschaft übernimmt das Studentenwerk Düsseldorf, das auch die Kindertagesstätte auf dem Hochschul-Campus in Mönchengladbach betreibt. Die geplante Erziehungseinrichtung in Krefeld wird zu 91 Prozent von Stadt und Land finanziert, neun Prozent bezahlen die Studierenden über ihre Sozialbeiträge, zwei Euro kostet die Kindertagesstätte jeden Studenten. Dafür haben sie auch einen Vorrang bei der Anmeldung ihrer Kinder vor Anwohnern.
Das Studentenwerk verspricht lange Öffnungszeiten, Über-Mittag-Betreuung mit Frühstück, Mittagessen und Nachmittagsimbiss. Für Chantal Ndongo klingt das fast zu schön, um wahr zu sein.
"Ich könnte Joshua mit zur Hochschule nehmen und könnte mehr Vorlesungen besuchen", schwärmt sie. Ob sie persönlich aber in den Genuss der Kita kommt, steht noch nicht fest. Zum einen will sich das Studentenwerk noch nicht auf einen Öffnungstermin festlegen, es gäbe zu viele Unwägbarkeiten in der Bauphase. Zum anderen zeigt das Beispiel Gladbach, dass studierende Eltern schnell mit der Anmeldung sein müssen. Dort stehen 50 Studenten auf der Warteliste.
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