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Krefeld: Stunk wegen Sitzung

VON SINA ZEHRFELD - zuletzt aktualisiert: 17.01.2009

Krefeld (RPO). Immer häufiger werden Karnevalsvereine die Eintrittskarten für ihre großen Veranstaltungen nicht los. Viele machen dafür den Lachenden König-Palast verantwortlich: Gegen diese Konkurrenz könnten sie nicht ankommen.

Gerade kleinere Karnevalsvereine fürchten in dieser Session leere Säle: Der "Lachende König-Palast" treibt den Jecken in den Stadtteilen die Sorgenfalten auf die Stirn.  Foto: RPO
Gerade kleinere Karnevalsvereine fürchten in dieser Session leere Säle: Der "Lachende König-Palast" treibt den Jecken in den Stadtteilen die Sorgenfalten auf die Stirn. Foto: RPO

Die Hausfrauensitzung der "Linner Burggarde Greiffenhorst" ist ins Wasser gefallen. Grund: Es wurden zu wenige Karten verkauft. "Viele Leute haben uns ganz klar gesagt, dass sie zum König-Palast gehen", erklärt der Vorsitzende Matthias Belles. "So ein Programm wie dort können wir als kleiner Verein nicht bieten." Immer häufiger bleiben die Krefelder Karnevalsvereine inzwischen auf ihren Karten sitzen. Für sie ist klar: Es ist die Großveranstaltung "Lachender Königpalast" am 30. und 31. Januar, die ihnen das Wasser abgräbt.

Rund 4000 Euro weniger

Ralf Mühlenberg, Präsident der KG Verberg, macht eine Rechnung auf: "10 000 bis 12 000 Gäste im Königpalast sind 10 000 bis 12 000 Gäste weniger für andere Veranstaltungen. Der erste Königpalast vor zwei Jahren hat uns rund 200 Gäste gekostet." Die KG Verberg habe zwei Jahre gebraucht, um sich allein von den finanziellen Folgen zu erholen. Bei 22 Euro pro Karte waren es "rund 4000 Euro weniger in der Kasse. Das ist für einen Verein ein herber Schlag ins Kontor".

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Sie haben gut Lachen

Nicht alle Karnevalsgesellschaften haben Sorgen. Die "Rosa Jecken" sind jedes Jahr ausverkauft, mit langen Wartelisten. Auch die "Große Karnevalsgesellschaft 1878 Krefeld" kann nicht klagen: "Wir haben 80 Prozent Stammkunden, die meisten Gäste bestellen nach einer Veranstaltung schon Karten fürs nächste Jahr." Doch auch die Großen und Erfolgreichen spüren Veränderungen. Die "Mösche-Männekes" sind ausverkauft, aber: "Schwieriger wird es auf jeden Fall. Auch wir müssen jedes Jahr mehr überzeugen und mehr Werbung machen."

"Es gibt in Krefeld kein unerschöpfliches Besucherpotenzial für den Karneval", meint Hans Stawski, Präsident der KG Seidenstädter. Seinem Verein werden sicher 300 Gäste fehlen, prognostiziert er für die Sitzung am 13. Februar im Seidenweberhaus. Für ihn ist die Entwicklung alarmierend: Ganze Gesellschaften könnten untergehen, fürchtet er. "Da geht Tradition verloren." Und: "Die Vereine finanzieren von dem, was sie einnehmen, auch den Rosenmontagszug. Wenn die dazu wegen der Ausfälle nicht mehr in der Lage sind, wer macht das dann?"

Zumal kleinere Vereine schon weit geringere Auswirkungen nicht wegstecken. Wolfgang Bongartz, Vorsitzender der "Lustigen Klosterbrüder": "Bei uns fallen 30 leere Plätze schon sehr auf." Gleichzeitig steigen die Kosten. "Wir müssen die Saalmiete bezahlen, und die Künstler werden jedes Jahr teurer", sagt Erwin Engels von der "KG Oppumer Klante". Seine Lösung: "Wir versuchen, viel aus den eigenen Reihen zu bestreiten." Aber das birgt wiederum seine Tücken, meint Marlene Stocks von der KG-Grün-Weiß-Grönland: "In den letzten Jahren haben wir Schwierigkeiten, das Haus voll zu kriegen. Aber am Programm dürfen wir nicht sparen, dann bleiben die Leute erst recht weg. Wir hoffen, dass wir auf 600 bis 700 Gäste kommen" – Platz wäre im Seidenweberhaus für 900.

Ralf Mühlenberg setzt mit der KG Verberg auf persönliche Ansprache von Stammgästen und appelliert an die Narren, sich ihrer Werte zu besinnen: "Ihr wollt doch den echten, den ursprünglichen Krefelder Karneval. Den müssen wir erhalten. Wenn Ihr das wollt, müsst Ihr auch kommen." Hans Stawski hingegen sieht die Verantwortung beim "Lachenden Königspalast": "Mir wäre nichts lieber, als würde den Kölnern plötzlich einfallen, dass sie ihre Künstler für solche Veranstaltungen nicht mehr freistellen."

Quelle: RP

 
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