Kempen/Krefeld: Tauchparadies vor Krefelds Haustür
VON OLIVER SCHAULANDT - zuletzt aktualisiert: 26.06.2012 - 12:17Kempen/Krefeld (RPO). Wenige Kilometer vor Hüls liegt in der Nähe von St. Hubert der Königshüttesee. Die ehemalige Kiesgrube hat der Segel- und Surfclub Kempen gepachtet und nutzt ihn
Das Beiratsmitglied der Tauchabteilung, Willi Steffes, hat Fotos einer unbekannten Welt unter Wasser geschossen. Das Paradies ist 80 Hektar groß, 23 Meter tief und wahnsinnig nass. Von Krefeld und Kempen liegt es nur wenige Kilometer weg. Vor den Toren von St. Hubert, um genau zu sein.
Königshüttesee heißt es, war einst eine Kiesgrube und ist heute die sportliche Heimat von 1150 Wassersportfreunden. Sie gehören dem Segel- und Surfclub Kempen an, dem größten Wassersportclub in Nordrhein-Westfalen, und der wiederum hat den See gepachtet. Die Mitglieder und manchmal auch Gäste können auf dem See nun segeln und surfen, im See angeln – und manche klettern auch direkt hinein: zum Tauchen.
Frank Schubert und Willi Steffes zum Beispiel.
Tag der offenen Tür
Der Segel- und Surfclub Kempen (SSCK) veranstaltet am Sonntag, 1. Juli, von 12 bis 17 Uhr einen Tag der offenen Tür. Dann werden sich am Königshüttesee die einzelnen Abteilungen vorstellen. Außerdem bietet der Club Mitmachaktionen im Segeln, Surfen, Tauchen und Opti-Segeln an.
Die beiden sind zwei der 90 Mitglieder umfassenden Tauchabteilung des Vereins und gehören dessen Beirat an. Sie tauchen schon seit fast 30 Jahren, und das fast immer zusammen. Das müssen sie auch, mit einem Partner ins Wasser gehen, weil man nicht alleine tauchen soll, für den Fall der Fälle eben. Von Januar bis Dezember, das ganze Jahr hindurch. Und sogar bei Minusgraden in der Umgebung, denn die beiden haben eine Trockentauch-Ausrüstung, mit deren Hilfe sie auch eisigen Wassertemperaturen trotzen können.
Die allerdings sind momentan nicht notwendig, um in den Königshüttesee zu steigen. „Im Sommer haben wir an der Oberfläche etwa 18 bis 20 Grad Wassertemperatur, in 18 Metern Tiefe sind es um die acht Grad warm“, erzählt Steffes und schwärmt: „Die Faszination des Tauchens ist, dass man unter Wasser vollkommen abschalten kann. Wenn ich tauche, dann habe ich wirklich Feierabend. Ich muss mich auf mich selbst konzentrieren, schwebe durch das Wasser und höre nur meinen eigenen Atem. Und die Unterwasserwelt ist immer wieder atemberaubend.“
Wie um das zu bestätigen, zeigt Steffes Fotos, die er mit einer speziellen Kamera im See gemacht hat. Zu sehen gibt es dort bizarre Landschaften, zum Teil aus Sandstein. Die sind im Königshüttesee noch gar nicht so alt, denn vor zwei Jahren ist im See noch einmal nachgebaggert worden. Mit einer Art Staubsauger wurden dabei Sedimente aus dem Wasser gefiltert; der See selbst ist dadurch an manchen Stellen drei Meter tiefer geworden. Bis zu acht Metern beträgt die Sicht unter Wasser, je nach Witterung.
Riesige Ansammlungen von Muscheln sieht man im See, die unter anderem das Wasser filtern. Das hat eine so gute Qualität, dass korallenartige Süßwasserschwämme dort wachsen, die sich an den Befestigungsseilen der Bootsstege angesiedelt haben und momentan grün gefärbt sind, um im Herbst dann langsam rot zu werden. Auf dem Boden tummeln sich zahlreiche Krebse, wie der Galizische Sumpfkrebs, die dort Nahrung finden.
Und alte Weihnachtsbäume liegen an einer Stelle, die gemeinsam mit dem Kempener Werbering dort hingelassen wurden, damit sie, wenn die Nadeln ab sind, den Fischen als Laichräume dienen. Fische seien übrigens eher selten zu sehen, zumindest die großen. Zander gibt’s im See, auch Hechte, Karpfen und Barsche. Manche Fische sind bis zu einem Meter groß. „Um sie zu sehen, muss man Glück haben“, sagt Frank Schubert. Paradiesbewohner sind eben scheu.
Ausbildung bis hin zum Tauchprofi
Der Segel- und Surfclub Kempen bildet auch Sporttaucher aus. In der Wassersportschule Thomasstadt unterrichten zwei Tauchlehrer nach den Vorgaben und Richtlinien der PADI. Die Professional Association of Diving Instructors (kurz: PADI) ist ein im Jahr 1966 von John Cronin und Ralph Erikson gegründetes amerikanisches Wirtschaftsunternehmen, das weltweit Tauchausbildungen anbietet.
Mit rund 5300 Tauchbasen und 130 000 Mitgliedern in 183 Ländern ist PADI die größte kommerzielle Tauchausbildungsorganisation. Die Tauchausbildungen sind weltweit standardisiert und werden anerkannt. Rund zwölf Millionen Taucher hat das Unternehmen bislang ausgebildet. In Kempen werden Taucher bis hin zum Status Dive Master, dem Einstiegskursus zum professionellen Taucher.
Gängigste Ausbildung ist der Open Water Diver, ein weltweit anerkannter Einsteigertauchkursus. Nach Abschluss des Kurses wird von PADI ein Tauchschein (Brevet) in Kreditkartenformat ausgestellt. Der Tauchschein ermöglicht es, mit einem Tauchpartner (Buddy) selbstständig Tauchgänge bis zu einer empfohlenen Tiefe von 18 Metern zu planen und auszuführen.
Um den Tauchschein in Kempen zu machen, ist keine Mitgliedschaft beim SSCK notwendig. Die Gebühr beträgt 300 Euro. Möglich ist eine Ausbildung zum Sporttaucher (Open Water Diver) ab 16 Jahren. Die Taucher müssen aber eine Unbedenklichkeitsbescheinigung des Arztes vorlegen und, wenn die Anwärter unter 18 Jahren alt sind, die Einverständniserklärung der Eltern.
Die Ausrüstung für einen Taucher ist nicht ganz billig. Benötigt werden ein Tauchanzug, Pressluftflasche, Atemregler mit Armaturen wie etwa Tiefenmesser, Maske, Schnorchel, Flossen, Schuhe, Handschuhe und ein Bleigurt zum Beschweren. Die Kosten für das gesamte Paket beginnen bei rund 1200 Euro, nach oben sind wenig Grenzen gesetzt. Tauchschülern stellt die Schule das Material zur Verfügung.






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