Krefeld: TKN-Betriebsrat: Lage ist ernst
VON MARTIN RÖSE - zuletzt aktualisiert: 12.05.2009 - 11:43Krefeld (RPO). Bei einer außerordentlichen Betriebsversammlung hörten am Montag weit mehr als 1000 Beschäftigte von den Umbau-Plänen der Konzernspitze. Die IG Metall hält eine Einigung noch in letzter Minute für möglich.
Der Ärger war Bernd Kalwa gestern noch deutlich anzusehen. „Eine Frechheit ohnegleichen, eine Provokation“ nannte der Gesamtbetriebsratsvorsitzende von ThyssenKruppNirosta die Ankündigung des Konzernvorstandes, beim geplanten Firmenumbau auch betriebsbedingte Kündigungen nicht auszuschließen.
Weit mehr als 1000 Arbeitnehmer – Arbeiter in Cargo-Hosen ebenso wie Angestellte in Nadelstreifen – waren der Einladung zur außerordentlichen Betriebsversammlung gefolgt. Durch strömenden Regen wateten sie vom TKN-Standort zu einer großen Halle an der Gladbacher Straße – dort reichten die 1000 Sitzplätze nicht aus.
Morgen tagt der Aufsichtsrat
ThyssenKrupp-Chef Ekkehard Schulz hatte Ende März angekündigt, die bisher fünf Sparten des Konzerns zu zwei so genannte Divisions zusammenfassen. Nur vier Wochen später wurde der Umbauplan verschärft: Sämtliche Sparten sollen künftig direkt an die Konzernleitung angebunden werden, alle Zwischenholdings entfallen. Dadurch würde auch die Mitbestimmung der Arbeitnehmer stark eingeschränkt. Morgen soll der Aufsichtsrat diesen Radikalumbau beschließen, bis Oktober soll er umgesetzt sein.
„Dieser Umbau ist unabgesprochen, hektisch und nervös machend“, kritisierte Kalwa. Ihm sei nicht klar, wie ein fünfköpfiger Vorstand einen Konzern führen wolle, der 700 Gesellschaften konsolidiert. Die Mitarbeiter von ThyssenKrupp Nirosta seien in großer Sorge um ihre Arbeitsplätze. „Die Lage ist ernst.“ Er als Aufsichtsratsmitglied der ThyssenKrupp AG habe erst aus der Zeitung von den neuen Umbauplänen erfahren. „Das Vertrauensverhältnis zum Vorstand ist jetzt arg beschädigt.“
Dennoch sei eine Einigung in letzter Minute denkbar. „Ich verrate kein Geheimnis, wenn ich sage, dass selbst Leitende Angestellte dem Konzept nicht folgen wollen“, erklärte Kalwa. Er forderte vom Konzernvorstand eine Lösung, bei der auf betriebsbedingte Kündigungen verzichtet wird, die die Einkommen sichert und die die Mitbestimmung der Betriebsräte erhält. Unter diesen Voraussetzungen könnten die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat einem Konzernumbau zustimmen. Dann sei eine Einigung auch in letzter Sekunde noch möglich. Sollte der Aufsichtsrat gegen die Stimmen der Arbeitnehmer den Konzernumbau beschließen, werde der Vermittlungsausschuss eingeschaltet – das aber würde über Monate einen Konflikt bei der Umsetzung des Konzepts zur Folge haben.
Peter Behr, Bevollmächtigter der IG Metall Krefeld, warnte davor, die Zahl der Auszubildenden zu reduzieren. „Das darf nicht runtergefahren werden! Das muss beibehalten und ausgebaut werden!“
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