Krefeld: Trianel greift Stromkonzerne an
zuletzt aktualisiert: 01.09.2010Krefeld (RPO). Sven Becker, Vorstandschef Trianel, spricht im Interview über Kernkraft und Kohle
Herr Becker, die Bundeskanzlerin Angela Merkel hat das Trianel-Kraftwerk in Lünen besucht. Konnte sie positive Signale für Kohlekraftwerke wie das in Krefeld geben?
Becker Der Besuch der Kanzlerin war ein klares Signal für die Bedeutung der Stadtwerke auch im Bereich der Energieerzeugung, ein Signal auch für mehr Wettbewerb in diesem wichtigen Feld. Natürlich gibt es an einigen zentralen Stellen des Energiekonzeptes zwischen den Stadtwerken und der Bundesregierung noch keinen Konsens, andererseits sehen Frau Merkel wie auch Minister Röttgen die wettbewerbspolitischen Nachteile einer Laufzeitverlängerung.
Die da wären?
Becker Länger laufende Kernkraftwerke sind Gift für den Stromerzeugungsmarkt, da er über Jahre abgeschottet bleiben wird. Die Zeche werden die Kunden in Form von überteuerten Strompreisen zahlen. Auch klimapolitisch ist die Laufzeitverlängerung ohne Kompensationen fragwürdig, da die Anreize für neue Kraftwerksprojekte sinken. Infolgedessen werden alte Kohlekraftwerke mit hohen C02-Emissionen länger betrieben. Wir fordern deswegen im Ausmaß der Laufzeitverlängerung die Stilllegung alter, ineffizienter Kohleblöcke der Kernenergiebetreiber.
Merkel stellt eine Laufzeitverlängerung von 10 bis 15 Jahren in Aussicht. Kann in dem Szenario das Krefelder Kraftwerk wirtschaftlich betrieben werden?
Becker Wir haben immer gesagt, abgerechnet wird zum Schluss. Nachdem die energiepolitischen Rahmenbedingungen gesteckt sind, werden wir die Strommarktszenarien bis 2035 neu durchrechnen und zum Ergebnis kommen.
RWE-Chef Großmann behauptet aktuell in der RP, dass sich neue Kohlekraftwerke wegen des steigenden Kohlepreises aufgrund hoher Nachfrage aus China und Indien nicht rechnen. Gilt dies auch für das in Krefeld geplante Kraftwerk?
Becker RWE hat Anfang 2009 alle Kraftwerksprojekte auf Steinkohlebasis abgeblasen. Der Hintergrund war aber weniger die Wirtschaftlichkeit, sondern vielmehr die Überlegung, so Druck auf die Bundesregierung hin zu einer Laufzeitverlängerung aufzubauen. Die Taktik hat ganz gut geklappt, da kann man RWE nur gratulieren. Aber um die Frage gleich vorwegzunehmen, RWE hat in seinem Portfolio keinen einzigen ähnlich herausragenden Kraftwerksstandort wie Krefeld.
Was erwarten Sie vom baldigen Erörterungstermin zum Krefelder Kohlekraftwerk?
Becker In erster Linie wünschen wir uns eine sachliche Auseinandersetzung, wie das Kraftwerk am besten am Standort im Chempark realisiert werden kann. Es gibt immer mehrere Optionen, und der bessere Vorschlag ist der natürliche Feind der guten Idee.
Gibt es schon jetzt Hinweise aus dem Einwendungsverfahren, die Trianel bei der Planung des Kraftwerks berücksichtigen wird?
Becker Natürlich gibt es die eine oder andere Anregung, die möglicherweise in die Planungen einfließen wird, ich will dem Erörterungstermin aber nicht vorgreifen.
Sebastian Peters führte das Interview.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum



