Krefeld: Tunnel belebt Uerdinger City
VON ANDREAS GRÖHBÜHL - zuletzt aktualisiert: 15.12.2009Krefeld (RPO). Vor einem Jahr ist der Tunnel zum Uerdinger Bahnhof eröffnet worden. Damals fürchteten Geschäftsleute, manche Straßen könnten darunter leiden. Die Bilanz: Das Zentrum profitiert, umliegende Straßen verlieren.
Der Fußgänger-Tunnel am Uerdinger Bahnhof wurde vor etwas mehr als einem Jahr als "Durchbruch" gefeiert. 80 Jahre hatten die Uerdinger auf den Durchstich gewartet, der Lange Straße und Bahnhofsplatz und damit den nördlichen Stadtteil mit der Fußgängerzone verbindet. Doch nicht jeder teilt die Freude über den kürzeren Weg in die Innenstadt: Manche Geschäftsleute beklagen, dass nun 30 Prozent weniger Kunden zu ihnen kommen.
Vom Ort abgeschnitten
Die Bahnschienen schneiden die Uerdingen Innenstadt zum großen Teil vom übrigen Ort ab. Früher nutzten die Leute meist die Brücke der Traarer Straße, um in das Zentrum zu gelangen. Seitdem sie nun bequemer durch den Tunnel gehen oder mit dem Fahrrad fahren können, machen sie den Umweg nicht mehr – und kommen deshalb auch nicht mehr an den Läden vorbei, die "Am Röttgen" liegen. Holger Dick gehört ein solcher Laden, seit 109 Jahren verkauft seine Familie dort Blumen. "Der Publikumsverkehr ist deutlich zurückgegangen. Bestimmt um 30 Prozent", sagt Holger Dick. Ähnliches berichtet Peter Wolf, dessen Copy-Shop am Ende der Brücke liegt, die bisher einer der Hauptwege in die Innenstadt war. Er hat auf das Wegbleiben der Kundschaft reagiert, indem er nun auch Handtücher und Fußmatten bedruckt – ein Service, den es in seiner Umgebung nicht so häufig gibt; dafür hat er Schulartikel aus dem Geschäft genommen. Wirtschaftliche Not macht erfinderisch. Und selbst gewerbliche Anlieger der Alten Krefelder Straße, in die "Am Röttgen" mündet, sprechen von weniger Kundschaft.
Ulrich Lohmar, Vorsitzender des Uerdinger Kaufmannsbunds, möchte den Tunnel dennoch nicht missen. "Viele, die heute zu Fuß oder mit dem Fahrrad in der Stadt sind, sind früher wegen des langen Weges mit dem Auto gekommen", sagt er. Und das nutze der Fußgängerzone. Er hat das Gefühl, nun kämen mehr Leute, auch Fremde. "Ich bin froh, dass wir den Tunnel haben", sagt er. Sein Juwelier-Geschäft liegt allerdings vom Bahnhofstunnel aus gesehen am Eingang der Fußgängerzone, einem Teil also, der von dem neuen Durchstich profitiert haben dürfte. Zu seinem vollkommenen Glück wünscht sich der Vorsitzende des Kaufmannsbunds noch eines: "Jetzt muss schnell der Vorplatz gemacht werden, damit es ein schönes Bild ergibt."
Ein Jahr nach dem Öffnen des Tunnels haben sich die Besucherströme also geändert. Wut ist dennoch selbst bei den "Verlierern" nicht immer zu spüren. Die Uerdinger hätten schon 80 Jahre auf den Durchstich gewartet, sagt Blumenhändler Holger Dick. "Der Tunnel ist gut für die Stadt und gut für die Leute. Wenn das schlecht für mein Geschäft ist, dann ist das nunmal so."
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