Krefeld: Turnhallen und Äcker geflutet
VON SARAH DICKMANN - zuletzt aktualisiert: 07.07.2009Krefeld (RPO). 800 Sportler bangen um ihren Trainingsort: Die Regenfälle haben die Dreifachsporthalle Horkesgath stark beschädigt. Feuerwehr und THW vergleichen die Folgen des Unwetters mit denen des Sturms "Kyrill".
Als Reiner Kemmler die Halle betrat, traute er seinen Augen kaum. "Ich habe ja Schlimmes erwartet, als ich wegen Unwetterschäden angerufen wurde. Aber dieses Bild werde ich nie vergessen", sagt der sportliche Leiter des Skaterhockey-Vereins Skating Bears.
Die Dreifachsporthalle Horkesgath stand komplett unter Wasser. In der Nacht versuchten Kemmler und die Sportler, dem Wasser Herr zu werden – zu spät. "Das ist eine Katastrophe", sagt Kemmler. Normalerweise trainieren und spielen in der Halle 800 Spieler der Bundesliga-Vereine Skating-Bears und Bockum Bulldogs. Jetzt haben die Sportler kaum Hoffnung, dass sie ihr Training nach den Ferien aufnehmen können. Der Boden ist vergammelt, überall quillt nasses Holz hervor, auch die Tribüne ist betroffen.
"Wir müssen rasch eine Notlösung für unsere 14 Mannschaften finden", sagt Kemmler. "Die Bulldogs, die in der verschont gebliebenen Zweifachhalle trainieren, haben sich spontan zur Zusammenarbeit bereit erklärt."
Sechsstelliger Betrag
Die Stadt hat gestern begonnen, den Schaden an den städtischen Gebäuden wie Schulen und Sporthallen zu analysieren. "Am Horkesgath muss der Boden komplett erneuert werden. Wir rechnen mit einem sechsstelligen Betrag für die Renovierung", sagt Stadtsprecher Dirk Senger. Die Glockenspitzhalle weist ähnlich dramatische Wasserschäden auf.
Feuerwehr, Technisches Hilfswerk und Polizei waren während des Unwetters pausenlos im Einsatz: "Die massiven Wassereinbrüche waren fatal. So einen Großeinsatz gab es seit Kyrill nicht mehr", sagt Feuerwehrsprecher Kai Günther. Ähnlich schätzt THW-Sprecher Sascha Bömken das Unwetter ein.
5000 Liter pro Minute saugten die Rohre des TWH aus Kellern und Tiefgaragen. "Unsere ehrenamtlichen Helfer wurden von der Arbeit, aus dem Kino und Theater geholt." Die Polizei rückte 314 Mal zu überfluteten Kellern, Kreuzungen und Gefahrenstellen durch Gegenstände auf den Straßen aus.
Bautrockner, die in Windeseile die Feuchtigkeit aus Beton und Kellerräumen ziehen, sind derzeit sehr gefragt. "Alle unsere 50 Geräte sind unterwegs, auf der Warteliste stehen 100 weitere Kunden", sagt Wolfgang Tives, Filialleiter bei der Verleihfirma Boes.
Das komplette Ausmaß des Unwetters wird sich erst noch zeigen: "Wie schlecht die Ernte ausfallen wird, lässt sich nicht sagen. Am Schlimmsten ist, dass wir nichts tun können", sagt Kreislandwirt Heinz-Josef Tölkes. Gemüse sei unwiederbringlich verdorben, viele Felder seien noch immer unbefahrbar. Tölkes: "Wir hoffen, dass wir die Kartoffeln retten können. Und dass sich der Mais wieder aufrichtet – die Felder sehen aus wie abgesägt."
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum







