Krefeld: TV-Suche nach Sexgangster
VON MARTIN RÖSE - zuletzt aktualisiert: 30.03.2007Krefeld (RPO). Sieben Jahre nach der Vergewaltigung einer Krefelderin hat gestern Abend Rudi Cerne in Aktenzeichen XY nach dem Täter gefahndet. Die Polizei schließt nicht aus, dass der Mann mittlerweile beide Arme verloren hat.
Ein Mann ohne Arme steht vor der Tür des Kölner Studentenwohnheims und bittet um etwas eigenartige Hilfe. Ob ihm die junge Studentin beim Wasserlassen, nun ja, zur Hand gehen könne? Was als obskure Bitte beginnt, endet als sexuelle Belästigung – und führt dazu, dass der Mann zwar entschwindet, aber DNA-Material in der Wohnung der Studentin zurücklässt. Und eine ungeklärte sieben Jahre alte Vergewaltigung in Krefeld möglicherweise doch noch aufgeklärt werden könnte: Denn ein Routine-Abgleich des Kölner DNA-Materials im Dezember vergangenen Jahres im Landeskriminalamt Düsseldorf zeigt, dass der Mann ohne Arme identisch ist mit dem Täter, der in der Nacht des 27. August 1999 durch ein Fenster in die Parterrewohnung an der Dionysiusstraße eindrang und eine damals 30-jährige Krefelder Angestellte vergewaltigte.
Das Phantombild
Beschreibung Der mutmaßliche Serien-Vergewaltiger ist 30 bis 35 Jahre alt, knapp 1,80 Meter groß, hat ungepflegte Zähne und eine Zahnlücke. Eventuell fehlen ihm beide Unterarme.
Zweite Version Dieses Phantombild entstand im Dezember vergangenen Jahres nach Angaben einer der Kölner Studentinnen. Es unterscheidet sich von dem Phantombild, das das Krefelder Vergewaltigungsopfer 1999 angefertigt hatte. Doch DNA-Spuren belegen: Es handelte sich um denselben Täter.
Gestern fahndete Rudi Cerne in der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY“ nach dem Mann. „Die Polizei ist auf uns zugekommen“, erklärt Ina-Maria Reize, Chefredakteurin der erfolgreichen ZDF-Sendung. Mehr als vier Millionen Zuschauer sehen im Schnitt die Verbrechersuche per Fernsehschirm. „Wir haben in einem Filmbeitrag den Krefelder Fall nachgestellt.“
Erfolg mit der Mitleidsmasche
Dirk Settels, Krefelder Kriminalhauptkommissar des Kommissariats für Sexualstraftaten schilderte im Anschluss Details des Falls: „An eine Zufallstat in Krefeld glaube ich nicht. Der Mann hat das Opfer ausgespäht.“ Auch in Bonn, Düsseldorf und Aachen sei der Sexgangster auffällig geworden – beging 1999 eine weitere Vergewaltigung, trat im Jahr 2000 als Exhibitionist in Erscheinung. Dann tauchte er fünf Jahre ab, bis es zu dem Vorfall in Köln kam.
Es blieb nicht bei der einen Studentin. Die Polizei weiß von drei Fällen, in denen der Mann mit der Mitleidsmasche in Köln Erfolg hatte – zuletzt im Mai 2006. Settels vermutet, dass es weitere Opfer gibt, die aus Scham bislang nicht zur Polizei gegangen sind. „Melden Sie sich, auch jetzt, im Nachhinein noch!“, bat er die Fernsehzuschauer. Rudi Cerne schüttelte den Kopf: „Dieser Fall ist wirklich haarsträubend.“
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