Krefeld: U-Haft für Jugendliche wirkt
VON SEBASTIAN PETERS - zuletzt aktualisiert: 18.12.2008Krefeld (RPO). Die Festnahmen von Jugendlichen nach Raubüberfällen auf Gymnasiasten wirken: Die Fälle von „korrektem Abzug“ sind seitdem drastisch zurückgegangen. Möglich machte dies der mutige Einsatz der bestohlenen Krefelder Schüler.
Krefelds Straßen sind sicherer geworden. Seit den spektakulären Festnahmen von mehreren Schülern, die in der City Raubüberfälle auf offener Straße begangen haben, sind Fälle von „korrektem Abzug“ drastisch zurückgegangen. Von Januar bis Oktober 2008 registrierte die Polizei 122 Raubüberfälle, im November nur noch einen einzigen.
Für die Polizei zeigt sich darin der Erfolg der konzertierten Aktion gegen die kriminelle Jugendbande. Sechs Schüler sitzen derzeit in U-Haft und warten auf ihren Prozesstermin. Auf Raub steht mindestens ein Jahr Haft. Nicht der einzige Fall mit abschreckender Wirkung: Ein anderer Krefelder Schüler wurde jetzt wegen diverser Delikte mit einer Haftstrafe von 22 Monaten belegt. Die Polizei hofft, dass der Warneffekt lange anhält.
Lob für die Raubopfer
Möglich wurden die Verhaftungen nur, weil die bestohlenen Schüler vom Arndt- und Fichtegymnasium Anzeige erstatteten. Ihnen erteilt Jörg Grothus, bei der Polizei für Prävention zuständig, ein Sonderlob: „Es ist keinesfalls die Regel, dass Schüler solche Taten zur Anzeige bringen. Viele Opfer fühlen sich schuldig und fürchten weitere Taten, wenn sie Anzeige erstatten. Dabei ist die Anzeige eigentlich die einzig richtige Lösung.“
Für Grothus zeigt sich an diesem Beispiel auch, dass die Arbeit zwischen Schulen und Polizei sich in Krefeld deutlich verbessert hat. Dazu beigetragen hat seiner Meinung nach ein NRW-Erlass, der Lehrer verpflichtet, den Schulleitungen Straftaten melden, von denen sie erfahren oder die sie beobachten. „Dieser Erlass kommt in Krefeld gerade richtig ins Rollen und hilft uns als Polizei natürlich sehr“, sagt Jörg Grothus, der gleichwohl die jetzt verhafteten Täter für absolute Einzelfälle hält. Er argumentiert mit Zahlen: 25 000 Jugendliche zwischen acht und 18 Jahren leben in Krefeld. Nur 63 von ihnen sind laut Polizeistatistik Mehrfachtäter, haben fünf oder mehr Straftaten begangen.
Die Zahl der einmaligen Straftäter ist höher, weil auch Beleidigungen oder körperliche Gewalt angezeigt werden können. So wurde jüngst eine Krefelder Schülerin für ein Wochenende in Jugendarrest gebracht, weil sie ihre Lehrerin als „Hure“ beschimpfte.
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