Krefeld: Uerdingen, die CDU und das Steinkohlekraftwerk
zuletzt aktualisiert: 28.01.2009Krefeld (RPO). Nach der Grundsatzentscheidung der CDU-Fraktion für ein 800-Megawatt-Steinkohlekraftwerk im Uerdinger Chemiepark hat es am Montagabend bei einer offenen Fraktionssitzung in dem Stadtteil nur vereinzelte Proteste gegeben.
Der Fraktionsvorsitzende Wilfrid Fabel erklärte vor rund 100 Gästen – darunter auch Umweltschützern und Angestellten des Chemieparks: "Ich habe zurzeit ein Problem, auch persönlich, Gas als Alternative zu empfehlen, nachdem wir gerade den Gasstreit hatten. Gesicherte Transportwege für Gas sind offenbar nicht da – so sehr ich das auch aus umweltpolitischen Gründen akzeptieren würde."
Ein Mitglied des Niederrheinischen Umweltschutzvereins bemängelte den CO2-Ausstoß durch das Steinkohlekraftwerk. "Derzeit hat Krefeld vier Millionen Tonnen CO2-Ausstoß pro Jahr. Mit dem Kraftwerk werden es acht Millionen Tonnen jährlich sein." Ein anderer Gast äußerte sich skeptisch über die zu erwartende Staubentwicklung. "Ich habe in einem Stahlwerk gearbeitet. Wenn hier tausende Tonnen Kohle umgeladen werden und zur Erhöhung des Brennwerts gemischt werden, wird die Belastung deutlich steigen. Und Krefeld hat eh schon ein Staubproblem."
Dr. Stefan Dresely, Geschäftsführer des Chemieparkbetreibers Currenta, verteidigte den Kraftwerksbau und versuchte, mit Hilfe von Fakten zu überzeugen. "Das geplante Steinkohlekraftwerk wird nur 124 Tonnen Feinstaub pro Jahr erzeugen. Schauen Sie auf die Internetseite von Greenpeace. Dort steht, dass ein Sattelschlepper zwei Tonnen Feinstaub pro Jahr erzeugt – das heißt: Wir produzieren nicht mehr Feinstaub als 62 Sattelschlepper." Eine Staubbelastung durch die Kohleanlieferung sei ausgeschlossen. "Wir haben komplett geschlossene Transportbänder. Die Kohle wird nicht im Hafen, sondern anderthalb Kilometer rheinaufwärts vor dem Werksgelände angeliefert." Dresely erklärte, das Steinkohlekraftwerk werde einen Wirkungsgrad von mehr als 60 Prozent haben. "Wir wollen nicht auf Dauer ein Werk betreiben, das nicht die Zustimmung der Bevölkerung hat. Wenn Sie sagen ,Geht!', dann gehen wir."
Uerdingens Bezirksvorsteher Elmar Jakubowski (CDU) sagte: "Wir wollen den Chempark hier haben. Erinnern Sie sich, wie schnell Nokia weg war?!" Ein Gast erfreute die Anwesenden mit seiner Kalkar-Theorie. "Der Schuldige am Kraftwerk ist Johannes Rau, weil der den Atommeiler Kalkar nicht zu Ende gebaut hat. Sonst hätten wir keine Kraftwerksdiskussion." Fabel feixte. "Johannes Rau soll der Schuldige sein? Da kann ich Ihnen nicht widersprechen . . ."
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