Krefeld: Vater entführt die eigenen Kinder
VON MARTIN RÖSE - zuletzt aktualisiert: 24.10.2008 - 07:24Krefeld (RPO). Ihren fünften Geburtstag hat die kleine Iman aus Krefeld vor wenigen Tagen ohne ihre Mutter verbracht, irgendwo in Jordanien. Sie und ihre dreijährige Schwester Maryam wurden entführt – vom eigenen Vater.
Gegen den Mann ermittelt die Staatsanwaltschaft. "Dem 48-jährigen Arzt aus Krefeld wird Entziehung Minderjähriger vorgeworfen", erklärte gestern Gerichtssprecher Wolfgang Thielen. "Er soll veranlasst haben, dass seine leiblichen Kinder nach einem Familienurlaub im Juli 2008 in Jordanien blieben und so dem auch für die Kindesmutter bestehenden Sorgerecht entzogen wurden." Wegen Fluchtgefahr befindet sich der Arzt in Untersuchungshaft.
Unter einem Vorwand habe ihr Mann sie und die Kinder nach Jordanien gelockt, sagt die 37-Jährige. "Er erklärte, seiner Mutter gehe es schlecht." Das Ehepaar flog mit den Mädchen nach Jordanien. "Dort hat er mich geschlagen und ohne Geld ausgesetzt." Ihr Mann wünsche sich, dass die Töchter in einem moslemischen Land aufwachsen, glaubt die Frau. Ihr Bruder schickte ihr Geld für ein Rückflugticket.
Die beiden Mädchen haben einen deutschen Pass. Deshalb hat sich die Deutsche Botschaft in Jordanien in den Fall eingeschaltet. Rechtlich sind ihr aber die Hände gebunden. Jordanien gehört zu den Staaten, die das "Haager Übereinkommen über die zivilrechtlichen Aspekte internationaler Kindesentführung" nicht unterzeichnet haben. Die Auslieferung der Kinder in die Bundesrepublik kann nicht erzwungen werden – außer durch einen Gerichtsprozess in Jordanien. Um den führen zu können, müsste die Krefelderin aber ihren Hauptwohnsitz in dem Land nehmen.
Vor einem Monat legte der Vater der Kinder ein Schuldanerkenntnis in der U-Haft ab. Darin erklärte er sich damit einverstanden, dass seiner Frau die Kinder zur Rückführung in Jordanien übergeben werden. Die 37-Jährige buchte daraufhin Flugtickets für die Kinder, flog Anfang Oktober nach Aman.
"Eine Mitarbeiterin der Botschaft hat mich begleitet", sagt die Mutter von Maryam und Iman. "Alles war arrangiert." Nur die Kinder tauchten nicht am vereinbarten Treffpunkt auf. Die Mutter musste allein zurückfliegen. Sie sagt: "Ich mache mir solche Sorgen um Maryam und Iman. Ich werde wie eine Löwin um meine Kinder kämpfen."
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum



