Krefeld: Venlos Frittenbude in Gefahr
VON SEBASTIAN PETERS - zuletzt aktualisiert: 06.06.2009Krefeld (RPO). In Krefeld wird heute gegen den Bau des Kohlekraftwerks protestiert, In der Partnerstadt Venlo geht es morgen um den Erhalt von Petatte Wiel, der bekanntesten Frittenbude. Künstler geben dafür ein "Benefriet-Konzert".
Wer zu Besuch in Krefelds Partnerstadt Venlo fährt und das Auto an der Maaskade parkt, kann die Niederlande spüren. Auf der Maas schippern alte Kähne, davor steht ein Blechbau, aus dem der charismatische Niederlande-Duft dringt: Es riecht nach Frittenfett. Hier steht die bekannteste Pommesbude der Stadt. "Petatte Wiel" ist das heimliche Wahrzeichen Venlos. Doch auch Wahrzeichen sind vergänglich.
Wo heute noch die Bude steht, sollen bald schon Wohnhäuser hochgezogen werden. Aber Venlos Künstler sind besorgt um ihr Stadtbild und organisierten Protest. Am morgigen Sonntag treten ab 13 Uhr verschiedene Musiker der Region bei einem "Benefriet"-Konzert auf. Eintritt: Eine Portion Pommes für einen Euro.
Benefriet-Konzert
Wann Sonntag, 7. Juni, 13 bis 17.30 Uhr, Venlo, Petatte Wiel.
Mitwirkende Künstler Minsekinder, Peter Beeker, Patrick Bos, Poepeloestig, Nuovo Sonido und weitere.
Eintritt frei, allerdings ist eine Portion Fritten Pflicht.
Marcel Tappers von der Agentur "Haringwurst" hat das Frittenfestival organisiert, das über die Grenzen von Venlo hinaus wirkt: Es soll auch in anderen Pommesbuden der Region, der "Snackbar Joosten" in Blerick und bei "Friture Bronckhorst" am Markt in Tegelen gefeiert werden.
Tappers will damit gegen die "zunehmende Ignoranz" der Kommunen protestieren: "Petatte Wiel gehört zu Venlo wie die Zwei Brüder. Immer mehr niederländische Kommunen vergessen, wie wichtig auch solche Traditionen für die Identität einer Stadt sind. Es wird immer nur neu gebaut, das Alte verschwindet." Es sei nicht die erste Bude in der Region, die dicht macht. Auch die Frittenbude in Tegelen stehe vor der Schließung.
Vor fünf Jahren der erste Umzug
Niederlande ohne Frittenbuden – das mag man sich kaum vorstellen: 48 Jahre gab es die Traditions-Pommesbude Petatte Wiel in Venlo. Bart Verstappen eröffnete sie 1961, damals noch einige Meter entfernt unter anderem Namen. 1975 übernahm sie sein Sohn Wiel, gelernter Feinmechaniker.
Es gab Zeiten, da florierte das Geschäft, bis zu 15 Mitarbeiter beschäftigte Wiel Verstappen. Öffnungszeiten: 8 Uhr morgens bis 4 Uhr morgens. Heute hat sie nur noch von 10 bis 19 Uhr geöffnet. Weniger Nachfrage!
Vor fünf Jahren musste die Frittenbude schon einmal einem Neubau weichen. Wegen des Neubaus von Theater und Einkaufszone zog die Blechdose "Petatte Wiel" einige Straßen weiter. Jetzt läuft auch an neuer Stelle der Pachtvertrag aus. Die Gemeinde hat eine Ersatzfläche versprochen. Ob und wo Wiel Verstappen sie bekommt, steht noch nicht fest. "Am 9. Juni habe ich ein Gespräch mit der Kommune, ich habe Hoffnung", sagt Wiel Verstappen.
Die Venloer, die ihm die Treue halten, hoffen auf eine positive Entscheidung ihrer Kommune. Zum Tag, an dem der Pachtvertrag ausläuft, am 14. Juni, werden noch mal die Kassen klingeln. 100 Venloer haben sich schon angekündigt. Sie wollen per Massenbestellung "Pommes Spezial" (mit Zwiebeln und Ketchup) ordern. Und Wiel Verstappen wird weinen – vielleicht nicht nur beim Zwiebelschälen.
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