Krefeld: Verboten: Sterben im Haus Lange
VON MARTIN RÖSE - zuletzt aktualisiert: 21.04.2008Krefeld (RPO). Krefelds Museumsdirektor Dr. Martin Hentschel gibt dem Kunstbiennale-Gewinner Gregor Schneider einen Korb: Der Künstler aus Mönchengladbach hatte sich gewünscht, im Museum Haus Lange eine Ausstellung mit Sterbenden oder Toten zu machen. „Mein Ziel ist es, die Schönheit des Todes darzustellen“, sagte der 39-Jährige. Doch dazu wird es nun nicht kommen.
„Ich kann nur sagen, dass die Kunstmuseen Krefeld dafür nicht zur Verfügung stehen“, erklärte Hentschel, der von Schneiders Plan erst aus der Zeitung erfuhr. „Mir ist nicht bekannt, inwieweit die Aktion von Gregor Schneider tatsächlich so stattfinden soll, wie in der Presse dargestellt. Es gab eine Zeit, in der das Sterben zum integralen Bestandteil familiären Lebens gehörte; niemals aber wurde dieser letzte Akt einer anonymen Öffentlichkeit überantwortet“, sagte der Museumsdirektor.
„Angeheizte Eventgeilheit“
„Ein solches Forum herzustellen ist in meinen Augen bloßes Spektakel und hat mit Kunst wenig zu tun. Es korrespondiert dagegen mit einer durch die technischen Medien angeheizten Eventgeilheit, die nur noch darauf aus ist, auch die letzten Tabus zu brechen und jegliche private Sphäre zu zerstören.“
Er halte Gregor Schneiders Überlegungen für fatal, „auch im Hinblick darauf, was das Spektrum der Kunst vom Spektakel unterscheidet“. Hentschels Nein dürfte beim Vorsitzenden des Kunstvereins große Freude ausgelöst haben. Paul Kathstede erklärte im Gespräch mit der RP: „Ich finde das Wort ,pervers’ für diese Idee noch viel zu schwach.“
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