Krefeld: VHS-Seminar: Altbierbrauen für Anfänger
VON CORINNA UHLRICH - zuletzt aktualisiert: 21.04.2008Krefeld (RPO). Ein intensiver Malzgeruch gepaart mit warmer und feuchter Luft bestimmt den kleinen Lehrraum. Für die 15 Anwesenden ist diese Atmosphäre eine notwendige Begleiterscheinung ihrer heutigen Einweisung. Was sie so interessiert, ist eine etwas seltsam aussehende Apparatur in der vorderen Ecke: Ein 100 Liter Kochtopf in dem sich ein Gemisch aus Wasser und Malz befindet – die Maische. Sie ist das erste Zwischenprodukt, das die Teilnehmer des VHS-Kurses: „Altbier selbst gebraut“ an diesem Samstag miterleben. Stolze Herren des überdimensionalen Topfes, dessen Inhalt in der Ecke brodelt, sind Marcus Fontain (29) und Arne Platzen (31). Sie sind Hobby-Brauer und gründeten 2003 ihre eigene „Wenkel Brauerei“.
„Auf die Idee gekommen, eigenes Altbier herzustellen, sind wir nach der Schließung der Rhenania-Brauerei 2001“, erklärt Marcus Fontain. „Das alles hier ist reiner Lokalpatriotismus“, sagt er und grinst, während er auf den Kessel deutet. Was der Lokalpatriotismus zur Erhaltung des Altbieres alles auf die Beine stellen kann, sieht man in der rechten Ecke des Raumes. Damit die Maische Zucker bildet, der später in der Gärung zu Alkohol wird, erhitzt ein Gasbrenner den Kochtopf in Etappen auf eine Temperatur von 78C.
Gleichzeitig wird das Gebräu von einer Art Bohrmaschine mit Schraubentellern umgerührt. Das alles ähnelt einem Forschungsexperiment. Allein die Praxis lernen die 14 Männer und die einzige Frau des Kurses nicht. Begonnen wird mit der Geschichte des Altbieres. Dort erfährt man so ganz nebenbei, dass das Bierbrauen ursprünglich aus Norddeutschland stammt. Zur Anschaulichkeit des schweren Brau-Prozesses stützen die fachkundigen Hobby-Brauer die Teilschritte des Maischens und des Läuterns immer wieder mit Dingen zum Anfassen, zum Beispiel dem geschroteten Malz. Das Rezept für 30 Liter fertiges Bier wird selbstverständlich an die Kursteilnehmer weitergereicht. Die bekannten Grundkomponenten in der Reihenfolge Wasser, Malz, Hopfen und Hefe sind dabei noch am leichtesten nachzuvollziehen. „Das Werkzeug von den Beiden ist ja schon semi-professionell. Da muss man sich am heimischen Herd was einfallen lassen“, schmunzelt Frank Weber (46), ein Kursteilnehmer. Arne Platzen sieht das nicht so: „Wir haben auch mit einem Topf angefangen und einem normalen Sieb. Bis heute haben wir unsere Technik verfeinert. Wegen des Geruchs braut Marcus jetzt auf seinem Balkon.“ Gut nachvollziehen kann man das bei der Würze, die in der Raumluft liegt. Einen wertvollen Tipp hat Platzen aber noch: „Das private Bierbrauen darf nicht 200 Liter im Jahr überschreiten und nicht in Umlauf gebracht werden. Kleine Feiern mit Freunden sind aber schon drin“, lächelt er. In acht Wochen werden er und Fontain das VHS-Altbier auf Flaschen ziehen. Konsumiert wird es mit allen Teilnehmern in einem externen Raum – fern der VHS. Denn dort ist der Alkoholgenuss verboten.
Altbier-Rezept
Zutaten Für 30 Liter Bier werden benötigt:
- rund 8 kg verschiedene Malzsorten
- 27 Liter Wasser
- 40 g Aromahopfen mit 7,5% Alphasäure
Zubereitung Maischen, Kochen, Jodprobe, Läutern (Trennen vom Zuckerwassser, der Würze, und der Trockenmasse, dem Treber), die Würze aufkochen, Hopfen hineingeben, abkühlen lassen und die Hefe hinzugeben. Acht Wochen gären lassen.
Zusatzinformationen Das spezielle „Wenkel-Rezept“ im Internet www.wenkel-selbstgebraut.de
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