Krefeld: Was Krefelder so alles verlieren
VON MARTIN RÖSE (TEXT) UND THOMAS LAMMERTZ (FOTOS) - zuletzt aktualisiert: 13.01.2010Krefeld (RPO). Brille, Gebiss, Uhr, Ausweis, Mikrowelle und Vier-Mann-Zelt – es gibt kaum etwas, was die Mitarbeiter des Fundbüros nicht schon entgegennehmen mussten. Im vergangenen Jahr gab es besonders viele ehrliche Finder. Bald werden die nicht abgeholten Fundstücke versteigert.
Dem Glücklichen schlägt keine Stunde, sagt man. Aber was soll man den 35 Unglücklichen sagen, die im vergangenen Jahr ihre Uhr in Krefeld verloren haben und sie vermissen? Die aber nicht ins Fundbüro gegangen sind? Dort lagern ihre Zeitmesser, von 35 ehrlichen Findern abgegeben, und warten sieben Wochen lang Sekunden schlag um Sekundenschlag auf ihre Besitzer.
Man muss die Zahlen zweimal lesen, um zu verstehen, was in Krefeld passiert (und sollte man zu den 93 Brillenträgern gehören, deren Sehhilfe im Fundbüro liegt, sollte man sich die Zahlen vielleicht besser vorlesen lassen): Wieder mal ist die Zahl der abgegebenen Fundsachen exorbitant gestiegen – von 2098 im Jahr 2008 auf 2637 im vergangenen Jahr. Macht ein Plus von 25,7 Prozent (vergleichen Sie das mal mit Ihrer Gehaltserhöhung. Oder besser: Tun Sie's nicht!).
Und es bedeutet: Jeden Tag finden in Krefeld mehr als sieben Menschen einen Gegenstand und bringen ihn ins Fundbüro. Zugleich liegt die Zahl derer, die ihre Fundsachen wiederbekommen haben, bei bescheidenen 432 Frauen und Männern. Einfach nur, weil sie nicht im Fundbüro nachgefragt haben.
Vielleicht, weil sie nicht an den ehrlichen Finder glauben. Oder weil sie vergessen haben, in welcher Stadt sie ihre Habseligkeiten verloren haben. Oder überhaupt, dass ihnen etwas fehlt.
Dabei fehlt den Krefeldern eine ganze Menge: 341 Dokumente, vom Personalausweis bis zum Schwerbehindertenausweis, wurden im Fundbüro abgegeben. 366 Schlüssel, mit und ohne Etui. 134 Mobiltelefone, MP3-Player und sonstigen elektronischen Geräte. 48 Taschen aller Art. 111 Schmuckstücke. 17 Geldbörsen mit Geld und 119 ohne. Darüber hinaus 570 Fahrräder. Und 694 "sonstige Gegenstände", wobei zu denen dem Vernehmen nach auch das eine oder andere Gebiss zählen soll.
Eine gute Nachricht gibt's auch – für die Finder. 432 Mal stand ihnen der Finderlohn von zehn Prozent zu. Und 282 Mal erhielt der Finder glatt das ganze Fundstück, weil sich kein Eigentümer meldete.
Fundbüro Am Hauptbahnhof 5. Mo. bis Mi.: 8.30 bis 12.30 Uhr und 14 bis 16 Uhr.
Online-Versteigerung
Versteigerung Nach sieben Wochen muss die Stadt die Fundsachen nicht länger aufbewahren. Was nicht nur ideellen Wert besitzt, wird deshalb versteigert; das nächste Mal in einem Monat. Bis vor wenigen Jahren fanden die Versteigerungen in Krefeld statt, seit 2008 nur noch im Internet.
Fotografien Zurzeit stellen Andreas Flucke und Elena Valentin die Gegenstände zusammen, die im Februar versteigert werden sollen. Gestern gab's dazu ein Foto-shooting im Fundbüro. Jeder Gegenstand wurde mitsamt der Versteigerungsnummer und dem Logo der Stadt Krefeld abgelichtet.
Ablauf Es wird zuerst ein Höchstgebot festgesetzt. Und in der Woche der Online-Versteigerung tickt die Uhr dem Mindestpreis entgegen. Die Auktionen sind bald unter zwei Adressen zu finden:
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum



