Krefeld: Was machen Sie eigentlich, Herr Professor?
VON CARMEN PORSCHEN - zuletzt aktualisiert: 17.08.2010Krefeld (RPO). Serie Jürgen Schram – ein Leben für die Chemiegeschichte (3)
Bei der Lebensmittelkontrolle, der Forensik und bei den Untersuchungen der Marsoberfläche – überall ist Qualitätssicherung wichtig, damit alles glatt geht, und dies gelingt nicht ohne chemische Analysen. Genau das ist das Fachgebiet von Professor Dr. Jürgen Schram, der seit mehr als 17 Jahren an der Hochschule Niederrhein (HN) beschäftigt ist.
In seinem Schwerpunkt lehrt Schram Methoden und Strategien, mit denen die Zusammensetzung von Stoffen bestimmt werden kann, und welche Apparate dabei helfen. "Klassischerweise ist die Chemie die Lehre von Veränderungen von Stoffen, aber für mich ist es die älteste Wissenschaft. Chemie steckt überall drin", sagt Schram, dessen Begeisterung ihm deutlich anzumerken ist. "Für dieses Fach muss man neugierig sein und ein Spezialist in der Analytik aber auch ein Universalist in allen Wissensgebieten", erklärt der 52-jährige Krefelder, der erst Chemie studierte und anschließend sieben Jahre in der Industrie im Bereich der Gas- und Spurenanalyse arbeitete. Er half bei einem europäischen Projekt, bei dem ein hochintegrierter Computer entwickelt wurde.
In seinen Vorlesungen erlernen die Studierenden die Techniken zur Chemischen Analytik, in den Praktika proben sie die Anwendung und schließlich bearbeiten sie eigene Projekte. Mit 20 Wochenstunden ist Schram sehr ausgelastet, freut sich aber über seine Aufgaben als Lehrkraft: "Unsere Gesellschaft ist nur so gut wie ihr Nachwuchs. Daher möchte ich junge Menschen für die Chemie begeistern", sagt Schram. Neben seiner Lehrtätigkeit, in der er für sich seine "Traumstelle" gefunden hat, arbeitet er in der Forschung im Bereich der Umweltanalytik. "Ich beschäftige mich mit Emissionsquellen und luftgetragenen Schadstoffen, aber auch mit Erkennungsmethoden zur Produktpiraterie." In all diesen Themengebieten spielt chemische Analyse eine nicht zu unterschätzende Rolle.
Darüber hinaus hält er Vorträge, in denen er die Chemie mit seinen anderen Leidenschaften in Verbindung bringt. "Kaum einer weiß, was alles zur Chemie gehört. Auch bei der Fotografie, in der Literatur und bei der Archälogie spielt sie eine Rolle", sagt Schram. Außerdem erkennt er Zusammenhänge ganz anders als ein Laie. "Feinstaub und Nano-Partikel ist das gleiche, doch das ist vielen nicht bewusst. Feinstaub ist negativ besetzt, Nano-Partikel aber sehr positiv", sagt Schram, der gerade aus solchen Gründen gerne einen Dialog zwischen Chemikern und Nicht-Chemikern schaffen möchte.
Er bedauert, dass die für ihn so spannende Chemie, für die meisten Menschen irrelevant ist. "Wir sind alle rundum von chemischen Produkten umgeben, viele wollen aber nichts darüber wissen", sagt er. Um bei seinen Studenten die Begeisterung für Chemie und Analytik weiter zu wecken und sie vom üblichen Leistungsdruck während des Bachelor-Studiums zu befreien, bietet er einmal die Woche einen freiwilligen Abend an. "Da machen wir beispielsweise forensische Chemie oder sitzen auch nur mal zusammen und quatschen", berichtet Schram, der immer wieder fasziniert ist, wenn er sich mit der Chemie beschäftigen kann.
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