Krefeld: Wem die ersten Gedenksteine gelten
VON SILKE SCHIRMER - zuletzt aktualisiert: 22.11.2006Krefeld (RPO). Die Krefelderin Ilse Kassel kann ihre Stimme, die vor Aufregung zittert, nur schwer kontrollieren: „Nach fast dreijährigem Ringen haben wir jetzt definitiv entschieden, für welche NS-Opfer am 20. Dezember Steine zum Gedächtnis verlegt werden. Meiner Mutter gilt einer von ihnen.“
Die Debatte um die so genannten Stolpersteine zum Gedächtnis hatte Krefelds Öffentlichkeit gespalten. Mit Ilse Kassel atmen jetzt die Engagierten auf, weil der Erfolg ihres Bürgerbegehrens nun greifbar wird.
Else Müller heißt die Mutter Ilse Kassels, an deren Leid als Jüdin der „Stolperstein“ erinnern soll. Der Kommunistin Paula Billstein ist der zweite Stein gewidmet. Die Tafel des dritten trägt den Namen Friedrich Lewerentz aus der Arbeiterbewegung. Die Betonsteine mit den zehn mal zehn Zentimeter großen Messingtafeln sollen an deren ehemaligen Wohnorten verlegt werden. Wenn Grundstückseigentümer und Angehörige des Opfers nicht ablehnen.
Und genau daran scheiterte ausgerechnet die Verlegung des Gedenksteins vor dem NS-Dokumentationszentrum für den jüdischen Seidenhändler Richard Merländer. „Der Hausbesitzer hat seine Zustimmung verweigert. Warum, weiß ich nur aus zweiter Hand, und möchte es nicht in die Öffentlichkeit tragen“, sagt Andreas Weinhold.
Weinhold ist Lehrer an der Kurt-Tucholsky-Gesamtschule und gehört mit seinen Schülern zum harten Kern der Bürgerbewegung für die Tafeln. „23 Anträge auf die Verlegung von Gedenksteinen sind genehmigt. Weitere sind möglich. Zirka 800 Menschen wurden in Krefeld Opfer der Nazis“, erklärt Weinhold. Schülerin Sylvia Glauer aus der Stufe 13 hat neben der Hinterbliebenen Ilse Kassel an Info-Ständen für die „Stolpersteine“ gekämpft. „Während dessen habe ich mit dieser starken Frau viel über die damalige Zeit in Krefeld gesprochen. Auch Passanten werden sich viele Fragen stellen, wenn sie auf der Straße den Namen der Mutter von Ilse Kassel und anderer lesen.“ Eines wissen die Engagierten noch nicht: wie viel Öffentlichkeit sie bei den Verlegungen mit dem Künstler wollen.
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