Krefeld: Wer stinkt, gewinnt die Frau
VON ISABELLE DE BORTOLI - zuletzt aktualisiert: 17.02.2007Krefeld (RPO). Ob Harem, Einzelgänger oder lebenslange Treue – das Liebesleben der Tiere ist von Art zu Art sehr unterschiedlich. Bei den einen zählt der Duft, bei den anderen gutes Aussehen.
Massa kann es sich gut gehen lassen. Er kann sich die besten Stücke vom Essen herauspicken und sein Lieblingsplatz ist immer für ihn frei. Denn: Massa ist der Chef im Gorilla-Gehege. Vor allem muss er sich keine Sorgen um sein Liebesleben machen. Denn Massa, der Gorillamann, kann gleich aus mehreren Frauen wählen – seinem Harem. Und: er ist der einzige Mann. Keine Revierkämpfe, kein Streit um die Damen, kein Stress. Alle Kinder sind wirklich von ihm, keine Kuckuckskinder, die ihm untergeschoben werden.
Da hat der durchschnittliche Ziegenbock schon mehr Stress. Denn Ziegen leben in gemischten Gruppen, mehrere Männchen mit vielen Weibchen gemeinsam. Hier müssen die Damen beeindruckt werden und zwar mit einem besonders starken Duft. „Außerdem sind die Hoden der Ziegenböcke sehr große“, erklärt Biologin Gabi Borg, die gestern unter dem Motto „Das Liebesleben der Tiere“ durch den Krefelder Zoo führte. „Denn die Weibchen paaren sich mit mehreren Männchen und nur der, der das meiste Sperma abgibt, vererbt auch seine Gene.“
Größer, länger, schöner
Wer kann am längsten? Der Nashornmann. Nashörner sind für ihren häufigen und sehr langen Sex bekannt. Daher gilt der Nashornmann als sehr potent.
Wer hat den Größten? Hier gewinnt der Elefant. Sein Penis ist rund 1,5 Meter lang, da die Scheide des Weibchens nicht am Hinterteil, sondern am hinteren Bauch liegt.
Wer ist der Schönste? Die meisten Tiermänner sind größer, bunter, schöner als die Weibchen.
Trampeltier Otwa parfümiert sich
Auch wenn Otwa, der Trampeltierhengst, seinen Damen seine sexuelle Bereitschaft signalisieren will, parfümiert er sich ausgiebig. „Und zwar mit seinem eigenen Urin, dass er auf seinen Schwanz macht und dann über sich schleudert“, erklärt Gabi Borg. Im Krefelder Zoo ist Otwa – dessen Höker übrigens auf Grund einer Bindegewebsschwäche nach unten hängen – zwar mit seinen beiden Stuten alleine, in der Natur zählt beim Flirt der Trampeltiere aber nur eines: Wer am stärksten stinkt, der hat gewonnen.
Von Vielweiberei halten die Stachelschweine indes gar nichts. Das Pärchen lebt einträchtig zusammen, nachts wird eng aneinander gekuschelt geschlafen – soweit das die Stacheln zulassen. Der Geschlechtsakt gestaltet sich aber schwierig und – für das Weibchen – recht schmerzhaft. Denn am Stachelschwein ist eben alles stachelig.
„Eine Einehe ist bei Säugetieren sehr selten“, erklärt Gabi Borg. „Die Stachelschweine bleiben ihr ganzes Leben zusammen.“ Auch die Pinguine sind treu – allerdings hat sich bei den Krefeldern noch kein Pärchen gefunden. Vermutlich haben die drei Weibchen genug damit zu tun, die Zudringlichkeiten der neun (!) Männchen abzuwehren, und kommen nicht dazu, sich den richtigen auszusuchen. Auch Sophie und Lothar, die beiden Flusspferde, waren sich nur platonisch zugetan. Jetzt ist Lothar in eine andere Stadt gezogen.
Während bei den meisten Tieren die Männchen größer und schöner sind, ist das bei den Anacondas genau anders herum. Während sie bis zu neun Meter lang wird, erreicht er nur 3,5 Meter. Dafür kann er auf anderem Gebiet auftrumpfen: der Anacondamann hat zwei Penisse.
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