Krefeld: Wie Krefeld Nokia boykottiert
VON SABRINA TILGNER - zuletzt aktualisiert: 09.10.2008Krefeld (RPO). 200 von ursprünglich 600 Nokia-Handys hat die Stadt aussortiert, seitdem bekannt wurde, dass das Bochumer Nokia-Werk schließt. Die FDP missbilligt den Beschluss von Gregor Kathstede. Die SPD steht auf Seiten des OB.
Gut 100 Tage nach Schließung des Nokia-Werks in Bochum sind bei der Stadtverwaltung Krefeld noch rund 400 Diensthandys des finnischen Herstellers in Betrieb. Oberbürgermeister und Verwaltungschef Gregor Kathstede (CDU) hatte im Januar angeordnet, dass neue Geräte nicht mehr von Nokia stammen dürfen.
Kurz nachdem das Aus für das profitable Bochumer Werk bekannt geworden war, wollte sich die Stadt mit ihrem Boykott mit den Nokia-Mitarbeitern solidarisch zeigen und ein Zeichen gegen die Schließung setzen. Auch die SPD forderte den Verzicht auf Nokia-Handys. Die FDP unterstützte Kathstedes Anordnung nicht. Zu ihren Empfehlungen stehen die Fraktionen noch immer.
Wer braucht ein Handy?
Ja Mitarbeiter, die ständig erreichbar sein müssen: Zum Beispiel Mitarbeiter im Außendienst, wie ein Straßenbegeher. Bei Gefahr muss er die Schäden sofort reparieren lassen.
Nein Zum Beispiel ein Angestellter im Bürgerservice, der ständig präsent sein muss.
FDP: „Plakativer Aktionismus“
Seit der Sitzung des Verwaltungsausschusses im Januar – Stadtdirektorin Beate Zielke verkündete Kathstedes Entschluss – sortiert die Verwaltung defekte Nokia-Handys aus, meldet Pressesprecherin Angelika Peters auf Anfrage der RP. So entstünden keine Mehrkosten. Neue Geräte seien von Sony-Ericsson oder Samsung. Die Stadt hatte vorher nur auf Nokia-Handys gesetzt. Alle 600 Diensthandys – auch neuwertige – auf einmal auszutauschen, „wäre zu teuer geworden“, sagt Peters.
Dass Nokia-Modelle seit Jahresanfang aussortiert werden, hält Joachim C. Heitmann (FDP) noch immer für „Unsinn. Das ist plakativer Aktionismus. Das nützt den Leuten nicht, die von der Schließung betroffen sind“, sagt der FDP-Fraktionsvorsitzende. Für Nokia seien keine Einbußen spürbar, weil die Verwaltung ein kleiner Kreis sei. Heitmann: „Die Stadt kann sich einen Wechsel nur leisten, wenn andere Anbieter günstiger sind.“
SPD: „Solidarische Geste“
Der Boykott ist eine solidarische Geste, sagt Frank Meyer von Krefeld-SPD. Grundsätzlich habe Heitmann Recht: Ändern werde der Krefelder Boykott nichts. „Aber an den Fall kann man nicht mit kaufmännischer Nüchternheit gehen. Politik hat auch viel mit Symbolik zu tun“, sagt Meyer. Ihren Antrag würde die SPD wieder stellen, auch wenn Krefeld nicht direkt von der Werks-Schließung betroffen ist. „Aber die Verärgerung sitzt tief.“
Wer bei der Stadt ein Diensthandy bekommt, entscheidet laut Peters der Fachbereichs- oder Institutsleiter. Dabei richtet er sich nach dem Job und Einsatzgebiet des Mitarbeiters. In der Regel sind es ältere Handymodelle ohne Finessen, mit denen nur telefoniert werden kann. Die Geräte werden aus dem Budget der Fachbereiche bezahlt.
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