Krefeld: Wie Schulorchester entstehen
VON EVA BÖNING - zuletzt aktualisiert: 13.05.2010Krefeld (RPO). Am Arndt-Gymnasium haben drei Musikpädagogen zwei Orchester und einen zusätzlichen Chor ins Leben gerufen. Roland Stuers, Karin Umlauf und Sandra Hess berichten über Freude und Frust mit talentierten und weniger begabten Schülern.
Die Musiklehrer
Roland Stuers, 25, spielt Klavier und Geige und hört gerne sowohl Wagner als auch Musik von Diana Krall.
Karin Umlauf, 44, spielt Querflöte, Schlagzeug und Klavier. Sie ist Fan von P!nk und Pucchini
Sandra Hess, 35, spielt Klavier und Querflöte. Sie hört Tango-Musik von Piazolla und Bach.
Als Roland Stuers anfing, das Schulorchester am Arndt-Gymnasium zu leiten, übernahm er ein Streichquintett. Heute, fünf Jahre später, sind dort 120 Schüler und Schülerinnen musikalisch aktiv, es gibt zwei Orchester und drei Chöre. Wir sprachen mit Musiklehrer Stuers und seinen Kolleginnen Karin Umlauf und Sandra Hess über Freude, Frust und Leid beim Aufbau von Klangkörpern.
Tränen
Ganz am Anfang gab es einmal sogar Tränen. Stuers Liebe zur Orchesterarbeit begann, als er selbst noch Schüler am Arndt war – seine Lehrerin damals war seine heutige Kollegin Karin Umlauf. "Er ist eigentlich nur hier, weil ich ständig Kinder bekommen habe", berichtet sie. "Er vertrat mich dann, nachdem er Abi gemacht hatte, immer für ein paar Wochen im Musikunterricht." Beim Sommerkonzert 2005 gab es einen besonderen Moment: Stuers wirkte als Abiturient bei dem Konzert mit (er spielt Geige). "Ich weiß nicht, woran es lag. Die Musik war noch nicht einmal besonders kitschig oder emotional. Dennoch lagen wir uns bei Konzert-Ende weinend in den Armen."
Der erste Schritt
Da waren sie also: zwei Musikbegeisterte, die ein Orchester aufbauen wollten, Stuers und seine ehemalige Lehrerin. Musikalisch begabt und jung, wie er war, übernahm Stuers die Leitung. Der Freitagnachmittag wurde als Probetermin des Orchesters für jeglichen Unterricht gesperrt; Umlauf und Stuers sprachen gezielt Schüler an, von denen sie wussten, dass sie ein Instrument lernen.
Der erste Frust
Gerade wenn ein Stück richtig gut eingeprobt war, kam der Schuljahrswechsel, und mit ihm gingen alle Schüler aus dem Abiturjahrgang – ausgerechnet die, die viele schwierige Passagen übernehmen. "Oftmals fehlten plötzlich die Schüler, die sich an die schwierigeren Stimmen herangetraut hatten und dem Stück eine besondere Note verliehen," so Stuers.
Wachstum
Vor gut zwei Jahren stieß Lehrerin Sandra Hess dazu. Mit ihr kam die Idee, das Schulorchester zu teilen und das "Junge Orchester" für jüngere Schüler zu gründen. "Zu mir kommen mittlerweile auch Kinder, die höchstens drei Töne sicher können," sagt Sandra Hess. Für die Musiklehrerin bedeutet das Arrangier-Arbeit ohne Ende: Jeder bekommt die Stimme, die ihm gefällt, die er kann und die zu seinem Instrument passt.
Der "Junge Chor"
Mit dem Orchester wuchs auch der Oberstufenchor. "Die Schüler, deren Freunde jetzt plötzlich ins Orchester gingen, wollten auch etwas in der Art machen," sagt Karin Umlauf. Irgendwann hatte sie so vielen Mädchen und Jungen aus der Unter- und Mittelstufe eine Sondererlaubnis für den Oberstufenchor erteilt, dass sie beschloss, den "Jungen Chor" zu gründen. "Es hat von Anfang an Spaß gemacht, vor allem, weil der Umgang mit den jungen Leuten außerhalb des Unterrichts ein ganz anderer ist. In meinem Chor singen auch diejenigen mit, die das Latinum von mir nicht gekriegt haben."
Talente
Talente haben die drei Lehrer schon viele gesehen – besonders beeindruckt sind sie von Anna Overbeck, Cellistin. Roland Stuers erkannte ihr Talent – und ihr Problem beim Vorankommen: "Ich habe ihr befohlen, ihren Cello-Lehrer zu wechseln; sie hat es getan und danach Riesenfortschritte gemacht." Heute ist Anna im Ensemble der "Orchesterakademie NRW". Zurzeit plant die Abiturientin sogar, beruflich etwas mit Musik zu machen. "Ich erzähl das jetzt mit einem lachenden und einem weinenden Auge, denn Anna ist schon im Abiturjahrgang," seufzt Roland Stuers.
Da ist es wieder, das Schicksal des Musiklehrers: Irgendwann ist auch der talentierteste Schüler weg.
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