Krefeld: Wirte kämpfen fürs Rauchen
VON SEBASTIAN PETERS - zuletzt aktualisiert: 02.08.2007Krefeld (RPO). Wirte kleiner Einraum-Kneipen sind wegen des neuen Nichtraucherschutz-Gesetz in Sorge. Die Dehoga will die kleinen Wirte unterstützen und ihnen Wahlfreiheit ermöglichen: „Notfalls gehen wir bis vors Verfassungsgericht.“
Kippen Krefelds Wirte das Rauchverbot? Der Hotel- und Gaststättenverbandes Dehoga in Krefeld versucht derzeit, die Durchsetzung des neuen Rauchergesetzes für Eckkneipen zu verhindern. Dehoga-Chef Walter Sosul (Nichtraucher): „Notfalls gehen wir bis vor das Bundesverfassungsgericht. Wir wollen den kleinen Wirten in Eckkneipen helfen. Die Gaststätten, die nur einen Raum haben, sollen selbst entscheiden, ob sie Raucher- oder Nichtraucherkneipe werden.“
Walter Sosul hat den CDU-Landtagsabgeordneten Peter Kaiser (Raucher) zu einer Diskussion eingeladen. Am 27. August treffen sich die Krefelder Wirte mit Peter Kaiser in der Gaststätte Haus Kleinloosen. Günter Böhm (seit zehn Jahren Nichtraucher), Inhaber von Böhms Bahnhof in Fischeln, ist ein Fürsprecher der Proteste: „Es geht um Chancengleichheit von kleinen und großen Gaststätten, die ist nicht gewahrt.“
Dehoga-Umfrage
Gegner Eine Dehoga-Umfrage in NRW ergab, dass sich 94 Prozent aller Gastronomen gegen das Nichtraucherschutz-Gesetz in NRW aussprechen. Befragt wurden 1200 Betriebe.
Wahlfreiheit 73 Prozent der Befragten befürworteten die Wahlfreiheit für kleine Wirte, ob sie Raucher- oder Nichtraucherkneipe werden wollen. Nur 21 Prozent wollen ein generelles Rauchverbot in Kneipen. 27000 Unterschriften wurden bereits gesammelt.
Kneipengänger haben abgestimmt
600 Gastwirtschaften gibt es in Krefeld. 200 davon sind der Dehoga angeschlossen. Noch vermisst Walter Sosul die Geschlossenheit in der Wirteszene: „Wenn alle mit einer Stimme sprechen, können wir vielleicht was bewirken.“ Die Dehoga hat in den vergangenen Tagen in den Krefelder Eckkneipen eine Blitzumfrage unter den Gästen gestartet. Das wenig überraschende Ergebnis: 300 Krefelder Gäste, nahezu alle, sprachen sich für die Wahlfreiheit der Wirte aus. „Das ist ein eindeutiges Votum unserer Gäste“, sagt Sosul. „Unsere Gäste wollen selbst entscheiden, ob sie dem Qualm entkommen wollen und deshalb lieber in eine Nichtraucherkneipe gehen.“
Der Krefelder Klein-Kneipenszene geht es ohnehin nicht gut. Michael Giesen von der Immobilienagentur Königshof: „Das Kneipensterben vollzieht sich schon seit vielen Jahren. Ich nehme auf diesem Gebiet kaum noch Aufträge an, weil kleine Gaststätten kaum noch zu vermieten sind.“ Giesens Vermutung: Wenn durch das Rauchverbot in Kneipen ab dem 1. Januar die Rechte der kleinen Wirte noch weiter beschnitten würden, könnte das noch einmal für dutzende Kneipen das Aus bedeuten.
Diese Angst haben auch Herbert Sax (69) (Gelegenheitsraucher) und seine Lebensgefährtin Irmhild (Raucherin). Sie sind Wirte des „Rathaus Treffs“ an der Karl-Wilhelm-Straße. „Die Politiker nehmen uns den eigenen Willen“, sagt Herbert Sax. Nach Ratssitzungen bekomme er in seiner Kneipe öfter Besuch von Ratsmitgliedern: „Die rauchen hier doch auch alle. Sie sollen sich mal für uns einsetzen.“ Das Paar wird die Resonanz ab 2008 abwarten. „Notfalls schließen wir den Laden. Dann kommt hier nie mehr eine Kneipe rein“, sagt Herbert Sax, dreht die Schlagermusik im Radio lauter und zündet sich erst einmal eine Zigarette an.
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