Krefeld: Wochenkommentar: Die Ailton-Festspiele
VON JENS VOSS - zuletzt aktualisiert: 04.12.2009 - 16:34Krefeld (RPO). Der französische Dichterphilosoph Albert Camus hat einmal gesagt, alles, was er über Moral und menschliche Verpflichtungen wisse, verdanke er dem Fußball. Das Zitat stammt aus einem Artikel für die Zeitung „France Football”.
Als Camus 1957 den Literaturnobelpreis bekam, bat das Blatt ihn um einen Beitrag. Da seine Zeit zu knapp bemessen war, sandte er einen Text, den er ursprünglich 1953 für die Verbandszeitung seiner algerischen Mannschaft RUA (Racing Universitaire d'Alger) verfasst hatte – der Mannschaft ist er übrigens lebenslang treu geblieben.
Zu den schönsten Sätzen dieses Artikels gehört dieser: „Ich begriff sofort, dass der Ball nie so auf einen zukommt, wie man es erwartet. Das war eine Lektion fürs Leben.” Das gilt nun wirklich nicht nur für „auf'm Platz” sondern fürs ganze Leben: für Ratsleute, Oberbürgermeister, Redakteure, Bundeskanzlerinnen, Geschäftsleute, Ärzte, Tenöre, überhaupt für alle.
Fußball gehört vielleicht doch ins Feuilleton - muss gelesen, geliebt und gedeutet werden wie ein Gedicht. Oder das ganze Leben gehört in den Sportteil: Am Ende ist alles wie ein Ball, der unerwartet auf einen zukommt. Die wahre Fußball-Verheißung lautet: Egal welcher Ball wie kommt - mit spielerischer Energie nimmt man ihn leichter an. Und wenn er doch entgleitet, hat man es wenigstens versucht. So gestärkt, blicken wir zurück.
Stichwort spielerische Energie. Die Uerdinger Ailton-Festspiele machen einfach nur Spaß. Dabei geht es - Camus lässt grüßen - nicht nur um Fußball. Das Stimmungsbarometer einer Stadt steigt durch solche Gute-Laune-Nachrichten. Insofern hat Krefeld gute Wochen vor sich, weil auch die Adventszeit dem Alltag eine eigene Grundmelodie einstiftet.
Die oft verschriene Weihnachtshektik ist ja in der Tiefe positiv, weil es um ein schönes Fest geht. Das politische Krefeld ist zur Zeit relativ ruhig. Wie sich die Arbeit im Rat entwickelt, ist schwer abzusehen - vielleicht Zeichen für eine Art Atemschöpfen.
Das kommende Jahr hält einen Kraftakt bereit; die harte Wahrheit der Schuldenzahlen wird nicht viel Raum lassen für Populismus und Sperenzchen. Für ein anderes Projekt dürfen Wetten abgeschlossen werden: darauf dass die Sanierung der Dionysius-Spitze rasch vorankommt. Wir wagen eine Prognose: Das wird schon. Darauf einen Glühwein!
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