Krefeld: Zoo-Chef: Giraffen statt Elefanten
VON NATASCHA VERBÜCHELN - zuletzt aktualisiert: 03.02.2012 - 13:00Krefeld (RP). Am Rande eines Vortrags des internationalen Zooexperten Anthony Sheridan hat der Zoodirektor Wolfgang Dreßen seinen Giraffen-Plan erläutert. Die Tiere würden gut auf die neue Afrika-Wiese passen. Von Elefantenhaltung hält der Zoochef wenig: Elefanten seien "Altlasten".
Zoodirektor Wolfgang Dreßen hat mit dem Aufsichtsrat seine Schwerpunkt-Projekte für die kommenden Monate festgelegt. Ein wesentlicher Baustein der Planungen sind die Giraffen. Reichen die Investitionsmittel, kommt vielleicht eine artengemischte Savanne mit Giraffen – statt Elefanten, deren Haltungsbedingungen im Krefelder Zoo seit Jahren diskutiert werden. "30 Jahre Elefanten in Krefeld haben in der Bevölkerung einen Stempel hinterlassen, nicht aber im Zoo. Das war noch nie sehr ansehnlich", sagt Dreßen am Rande des Vortrags des Zooexperten Anthony Sheridan. Weitere Schwerpunkte sollen die Außenanlage der Orang Utans und der neue Wirtschaftshof sein.
Zoo-Ranking
Der Brite Anthony Sheridan hat die 80 bedeutendsten Zoos aus 21 Ländern Europas besucht und verglichen. Sheridan hat für 27 Kriterien (Besuchereindruck, Marketing, Artenschutz und Bildung) Punkte vergeben. Der Zoo in Wien ist Gesamtsieger. In der Gruppe der Zoos mit etwa einer halben Million Besucher liegt Krefeld auf Platz 36.
Als Giraffen-Liebhaber wünscht sich Experte Sheridan, der ein Buch über gute Zoos schrieb, eine arten-gemischte Savanne in Krefeld. "Das wäre eine enorme Attraktion, die nicht so teuer wäre, aber viel Arbeit für die Tierpfleger mit sich bringt." Wenn es nach Zoodirektor Wolfgang Dreßen geht, könnte sich dieser Wunsch erfüllen. "Das Gelände ist da, das würde bei uns gut passen." Neben Giraffen könnten auf der jetzigen Afrika-Wiese auch Paviane, Geparden und Erdmännchen Platz finden. An den Elefanten scheint dagegen intern keiner mehr festhalten zu wollen – trotz Warnung von Sheridan, der in der mit Abstand beliebtesten Tierart "fast eine Muss-Attraktion" sieht. Dreßen dagegen spricht von "Altlasten" und verweigert sich einer "Mondlandschaft an zentraler Stelle", die durch ein großes Elefantengelände entstehen würde. Er weiß aber auch um die emotionale Bindung : "Wir müssten den Stammbesuchern Alternativen bieten."
Der Zooexperte Sheridan hält viel von diesem Plan: Er hat ein Ranking der 80 meistbesuchten Zoos in Europa erstellt. Obwohl in Krefeld die Besucherzahl von einer halben Million bisher nicht erreicht wird – im vergangenen Jahr waren es etwa 450.000, hat Sheridan den Zoo mit aufgenommen. Das erfreuliche Ergebnis: Platz 36. "Ich bin überzeugt, dass bei der nächsten Erhebung Krefeld noch einige Plätze nach oben klettern wird. Hier passiert viel", sagte der pensionierte Ökonom und Tierliebhaber.
Im Vergleich zu anderen europäischen Zoos schnitt Krefeld vor allem mit seinen drei Tropenhäusern, dem Baumbestand, den Wasserelementen, Öffnungszeiten, günstigen Eintrittspreisen und der ansprechenden Beschilderung gut ab. Auch die starke Einbindung der Zoofreunde, das Marketing und Management hob der Brite lobend hervor. Verbesserungsbedarf sieht Sheridan dagegen bei den Gehegen der Menschenaffen und Seelöwen.
Im Laufe des Jahres wird es eine Umfrage unter den Zoo-Besuchern geben. Die Frage, ob Elefanten oder Giraffen gewünscht sind, ist nicht enthalten.
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