Krefeld: Zu viele Öffnungszeiten
VON JOCHEN LENZEN - zuletzt aktualisiert: 15.10.2007Krefeld (RPO). 77 Prozent der Händler haben sich für feste Kernöffnungszeiten in der Innenstadt ausgesprochen. Das Problem: Jeder will sie zu anderen Stunden. Bis Jahresende soll ein Medien-Schaufenster den Einkauf erleichtern.
Es ist ein Ärgernis: Immer noch kann es passieren, dass Kunden bei einem Einkaufsbummel samstags nach 14 Uhr mitten in der Innenstadt vor geschlossenen Läden stehen. „Wir wollen versuchen, einen gemeinsamen Nenner für Kernöffnungszeiten zu finden“, sagt dazu Dr. Christiane Gabbert, Leiterin des städtischen Zentrenmanagements. Zumindest aber soll den Kunden bis Jahresende mehr Transparenz über Angebote und bestehende Öffnungszeiten verschafft werden – etwa durch eine Art Schaufenster des hiesigen Handels im Internet.
Angesichts der unübersichtlichen Vielfalt der bestehenden Öffnungszeiten haben sich 77 Prozent der Händler für Kernöffnungszeiten ausgesprochen. Das zeigt eine jetzt im Magazin „Kreation“ der Wirtschaftsförderungsgesellschaft (WfG) veröffentlichte Umfrage des Zentrenmanagements.
Für samstags 21 Varianten
Längere Öffnungszeiten – vor allem samstags – hatten sich bei der jüngsten Passantenbefragung rund 50 Prozent gewünscht. „Um uns zunächst einen Überblick zu verschaffen, haben wir die Einzelhändler nach den aktuellen Öffnungszeiten und den gewünschten Kernöffnungszeiten befragt“, erläutert Gabbert. Und da kam es an den Tag: Bei aller Einsicht in die Vorzüge solcher Zeiten, wurden dafür von montags bis freitags 13 unterschiedliche Zeitfenster angegeben – für die Samstage sogar 21! Die meisten der Befragten – 31 Prozent – sprachen sich für 10 bis 19 Uhr unter der Woche aus. Für die Samstage bekam die Zeit von 10 bis 18 Uhr die meisten Stimmen, nämlich 18 Prozent.
Zahlen und Zeiten
Die aktuellen Öffnungszeiten Montags bis freitags: 26 Prozent 10- 19 Uhr; 17 Prozent 10-18.30; 12 Prozent 9.30 - 19 Uhr. Ausreißer: 10-18 und 9-20 Uhr. – Samstags: 18 Prozent 10-16 Uhr; elf Prozent 10- 18; je acht Prozent 9.30- 18 und 10-14 Uhr.
Gewünschte Kernzeiten Montags bis freitags: 31 Prozent 10-19 Uhr; 14,5 Prozent 9.30-19; 11,5 Prozent 10-18.30 Uhr. Samstags: 18 Prozent 10-18 Uhr; je neun Prozent 10-19 und 10-16 Uhr. Ausreißer: 9.30-20 Uhr.
„Wir haben lange für die Liberalisierung der Öffnungszeiten gekämpft, und jetzt werden sie von den Händlern auch sehr liberal genutzt“, kommentiert Joel Smolibowski, Geschäftsführer des Einzelhandelsverbands. „Wir sind derzeit in einem Findungsprozess, der sich nach den Marktgesetzen einspielen wird. Die Kunden stimmen mit den Füßen ab, und wenn Händler merken, dass ihnen Umsatz dadurch geht, werden sie öffnen.“
Für Kunden sensibilisieren
Mit Smolibowski ist sich auch WfG-Geschäftsführer Eckart Preen einig, dass es kein realistisches Ziel sein kann, alle Geschäfte zu gleichen Öffnungszeiten zu verpflichten: „Vor allem inhabergeführte Geschäfte unterliegen ja Zwängen hinsichtlich Personaleinsatz und ihrer eigenen Arbeitskapazität. Aber wir wollen versuchen, die Händler noch weiter für die Kundenwünsche zu sensibilisieren.“ In seinem früheren Wirkungskreis in Dinslaken hätten sich dafür Vortragsveranstaltungen bewährt. Dabei sei beispielsweise die Idee entstanden, einen aktionsreichen Einkaufsabend bis 23 Uhr einzurichten, der allseits äußerst positiv angenommen worden sei.
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