Fußball: 22.30 Uhr Bettruhe
VON HEINRICH LÖHR - zuletzt aktualisiert: 11.07.2008Seit Dienstag bereiten sich die Uerdinger im thüringischen Kurort Bad Frankenhausen auf die Meisterschaftsspiele in der Niederrheinliga vor. Dreimal täglich bittet der Coach seine Schützlinge zum Training. Am Wochenende wird der 1. Vorsitzende „Lakis“ erwartet.
„Schneller, Mile!“ Gut so, Sven!“ Laut und deutlich hallen die Kommandos des neuen Uerdinger Trainers Robert Towa über das im tiefen Sommerschlaf liegende Sportstadion an der Wippe. Dort, wo sonst die Bezirksligakicker des SV Blau-Weiß Bad Frankenhausen um Punkte kämpfen, starten die Uerdinger mit ihrem zehntägigen Trainingslager das Unternehmen Aufstieg in die NRW-Liga. Und das unter sehr guten Bedingungen. Der Rasen ist prima, die Unterkunft komfortabel.
Ziemlich genau je eine Hälfte seines bisherigen Lebens hat Richard Towa in seinem Geburtsland Kamerun und in Deutschland verbracht. Entsprechend unterschiedliche Auffassungen vom Fußball haben ihn deshalb auch geprägt. „Das ist ein guter Mix“, sagt der Coach.
Richard Towa
Der am 16.11.1969 in Donala (Kamerun) geborene verheiratete Familienvater einer 17-jährigen Tochter begann erst mit 14 Jahren mit dem Fußballspielen. Aktiv bei den kameruner Vereinen Unité Duala, Colombe und Panther arbeitete der 14-fache A-Nationalspieler nach seiner Karriere als Jugendtrainer in Düsseldorf, Köln und Aachen. Im Dezember 2007 bestand er gemeinsam mit den ehemaligen Uerdinger Trainern Jos Luhukay und Pele Wollitz die Prüfung zum Fußalllehrer.
Darin liegt für ihn der Schlüssel zu einem neuen, erfolgreichen Uerdinger Fußball. Unlängst war er wieder in seinem Geburtsland und registrierte einmal mehr die Freude, ja fast Euphorie, mit der dort dem Leder hinterher gejagt wird. Umgekehrt weiß Towa aber auch um die Notwendigkeit der Disziplin, ohne die im erfolgreichen Leistungssport nichts geht.
Nicht wie in der Kaserne
„22.30 Uhr Bettruhe“ steht deshalb in der untersten Zeile des Trainingsplans, an dem alle Spieler dreimal täglich bei ihren Mahlzeiten vorbei kommen. Trotzdem geht es in Bad Frankenhausen keinesfalls kasernenhofmäßig zu. Auf und auch neben dem Trainingsplatz wird viel gelacht. Dennoch: Geht dem neuen obersten Uerdinger Übungsleiter ein Bewegungsablauf zu langsam, greift er auch noch einmal selbst ins Spielgeschehen ein.
Dann zeichnen sich seine Bewegungen auch heute noch durch jene katzenartige Gewandtheit aus, die schwarzafrikanischen Fußballern gemeinhin zu eigen ist. Schade, dass eine schwere Knieverletzung kurz vor der Weltmeisterschaft 1990 Towas aktive Karriere so jäh beendete. Drei Trainingseinheiten hat der 14-fache kamerunische Nationalspieler täglich angesetzt. Lässt da etwa der neue Acht-Stunden-Tag von Jürgen Klinsmann bei Bayern München grüßen? „Nein“, lacht Towa. „Viele meiner Spieler gehen ja arbeiten.
Da nutzte ich die Zeit, wo ich sie jetzt alle mal zusammen habe, eben besonders intensiv.“ Klar ist dem Fußballlehrer aber auch, dass zum sicheren Aufstieg in die NRW-Liga der Kader noch quantitativ aber auch qualitativ verbessert werden muss.
Stürmer aus Kamerun
Mit Michael Kyei, Onur Özkaya und Patrik Ziegler, der eigentlich im offensiven Mittelfeld am besten aufgehoben ist, stehen aktuell nur drei Angreifer zur Verfügung. Was den Sturm anbelangt, stellt sich Towa den Einsatz eines jungen Landsmannes vor.
Der könnte sich so in Europa ins Schaufenster stellen und so ganz nebenbei für den KFC wichtige Tore schießen. Am Wochenende wird KFC-Boß Lakis in Thüringen erwartet. Vielleicht gibt es ja einen gemeinsamen Spaziergang durch das Kyffhäusergebirge, bei dem entscheidende Weichenstellungen erfolgen.
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