Radsport: Alte Freundschaft im Rennsattel
VON DIETER SPOHN - zuletzt aktualisiert: 27.06.2008Radsport Besuch, wie er ihn nicht alle Tage erhält, kehrte bei Krefelds Radsportidol Hennes Junkermann ein. Gustaf-Adolf „Täve“ Schur, der legendäre Radsportkaiser der DDR, noch heute Volksheld in Ostdeutschland, „Verdienter Meister des Sports“, zweimal Amateur-Straßenweltmeister und Sieger der einst berühmten „Friedensfahrt“, kam zu Fernsehaufnahmen nach Krefeld.
An seiner Seite Detlef und Marianne Zabel, die Eltern von Milram-Sprint-Ass Erik Zabel, und Wolfgang Lichtenberg, wie Zabel Sen. Radsportkumpel von Schur. Das Fernsehen des Mitteldeutschen Rundfunks (mdr) stellt als Einstieg zur am übernächsten Samstag beginnenden Tour de France zwei Radsportlegenden vor: „Täve“ Schur, oft bezeichnet als „Eddy Merckx der DDR“, und westdeutscherseits Hennes Junkermann, der bis zu den Auftritten von Jan Ullrich der erfolgreichste deutsche Tour de France-Fahrer war, gemessen an den Endplatzierungen. Den dreiminütigen Streifen über das Wiedersehen der beiden Radsportgrößen sendet der mdr am nächsten Donnerstag im Rahmen aktueller Beiträge.
Aufsehen in der Innenstadt
Es blieb nicht beim Händeschütteln der alten Bekannten. Die Gäste einschließlich des dreiköpfigen Aufnahmeteams trafen sich am Mittwoch und verbrachten bei Junkermann auf der Hohenzollernstraße gemeinsam den Fußballabend. Gestern ging’s für die Pedalmatadore per Rad nach Xanten zu Junkermann’s Stamm-Eisdiele Fausto Santin am Marktplatz. Zwischendurch immer wieder Stopps für Aufnahmen. Einstimmiges Urteil der „Ostler“: Der Niederrhein – eine herrliche Gegend, auch und gerade zum Radfahren! In der Xantener City erregten die Radsport-Matadore und die sie begleitende Crew mit den Aufnahmegeräten beträchtliches Aufsehen. Im Blickpunkt aller: „Täve“ Schur, der 77jährige, schlank und rank wie einst, ein charmanter, witziger, überaus höflicher Plauderer.
Hennes Junkermann, heute 74, war zu seiner Amateurzeit (vor 1955) mehrmals in großen Rennen gegen „Täve“ Schur gefahren. „Ein Riesenrennfahrer“, sagt er heute. Und Schur zieht den Hut vor Junkermann´s Tour de France-Erfolgen, vor dessen 19 (!) Teilnahmen an Straßenweltmeisterschaften, vor den unzähligen Meistertiteln, die Hennes errang.
Junkermann kennt Detlef Zabel nicht erst seit vorgestern. Sie sind seit vielen Jahren eng befreundet, fahren regelmäßig in den Wintersport, liefen sich das erste Mal in den 50er Jahren über den Weg, als Hennes als Amateur an einem dreiwöchigen Wintertrainingslager in Oberhof teilnahm. Da gab es bereits Abwerbungsversuche. Für 1.000 Mark West (!) und 1.200 Mark Ost pro Monat plus freiem Aufenthalt sollte der gebürtige St. Töniser für die Farben der DDR fahren. Er lehnte ab und wurde Profi – um nach der Wende Zabel´s Sohn Erik mit Erfolg in den Westen zu locken. Da war Hennes Junkermann Trainer bei Olympia Dortmund.
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