Tennis: „Mit Minus aus dem Turnier“
VON JÖRG ZELLEN - zuletzt aktualisiert: 18.07.2007Franco Ferreiro, Neuzugang des Bundesliga-Spitzenreiters HTC Blau-Weiß Krefeld, spricht über den Alltag von Tennisprofis jenseits der Top 100. Von der Anreise bis zur Unterkunft müssen die Spieler alles selbst bezahlen. Der Erfolgsdruck ist enorm hoch.
Tennis Teure Autos, schöne Reisen, eine Menge Geld – eben nur die Sonnenseiten des Lebens. Ein paar Stunden Training am Tag, vielleicht noch ein schnelles Match, um eines der saftigen Preisgelder einzufahren. Das war’s – so denken wohl die meisten Fans über Profi-Tennisspieler. Doch nicht immer stimmt dieses Bild. Franco Ferreiro, Neuzugang des Bundesliga-Spitzenreiters HTC Blau-Weiß Krefeld, gewehrte der RP einen Einblick in den Alltag der Weltembummler und räumt mit den Vorurteilen auf.
„Eine eigene Familie zu gründen, kann ich mir kaum leisten.“ Diese Aussage dürfte die Freunde der gelben Filzkugel stutzig machen. Wie kann so etwas sein? „Ich stehe derzeit auf Platz 237 in der Weltrangliste und muss mich für die meisten Turniere erst qualifizieren“, erläutert der 23-Jährige seine Situation. Im Vorfeld muss der Brasilianer mit spanischem Pass jedoch die Anreise sowie Unterkunft und Speisen bezahlen – für sich und seinen Trainer. „Wenn ich dann in der Quali ausscheide, gehe ich mit einem Minus aus dem Turnier raus.“ Bei den Spielern, die in den Top 100 der Weltrangliste stehen, sei dies anders. „Diejenigen, die es sich ohnehin leisten können, werden meist von den Turnierorganisatoren eingeladen, für sie wird dann alles bezahlt“, sagt Ferreiro.
Auf Grund dieses finanziellen Risikos „ist der Erfolgsdruck enorm hoch“, erklärt Ferreiro. Manchmal weiß ich schon vor dem Match, ich muss gewinnen, sonst könnte es unter Umständen eng werden.“ Franco Ferreiro hat das Glück, dass er von seinem Bruder trainiert wird. „Ihm bezahle ich seine Arbeit natürlich, doch die Kosten sind bei weitem nicht so hoch, wie bei einem Berufstrainer.“
Seit 2002 ist der Rechtshänder als Profi auf der ATP-Tour unterwegs. Vor drei Jahren platzierte er sich erstmals unter den Top 200 der Welt. „Da will ich wieder hin“, sagt er und zeigt sich kämpferisch. Wer ihn in der Bundesliga hat spielen sehen, zweifelt nicht daran, dass er es schaffen kann. Doch jetzt braucht er erst einmal eine Auszeit. „Seit drei Monaten spiele ich ohne Pause Turniere. Ich brauche vier, fünf Tage ohne Tennis, um wieder im Kopf frisch zu werden.“ Gestern flog Ferreiro mit Freunden nach Ibiza, wo er Kraft für den nächsten Bundesliga-Einsatz am kommenden Sonntag in Halle tanken will.
Lohnt sich die Bundesliga für einen Profi denn überhaupt? „ Ja, und das gleich mehrfach“, antwortet der 23-Jährige ohne zu zögern. „Es macht unglaublich großen Spaß, mit den Jungs in einer Mannschaft zu spielen. So etwas kommt bei uns Einzelsportlern ja nicht allzu oft vor. Wenn ich für Blau-Weiß auf dem Platz stehe, dann spiele ich ja nicht für mich alleine, sondern für das Team“, sagt Ferreiro. Und finanziell? „Ich habe eine Sicherheit. Das ist viel entscheidender. Ich brauche mir keine Sorgen machen, was am nächsten Tag passiert.“
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