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"Bengalos gehören zur Fankultur"

zuletzt aktualisiert: 26.01.2011

Die Krefelder Ultràs des KFC Uerdingen haben sich der Fan-Initiative angeschlossen, die sich für die teilweise Legalisierung von Pyrotechnik im Fußballstadion stark macht.

Fussball Für Ultràs gibt es ein Gesetz: Mit Pressevertretern wird nicht geredet. UK-Staude und UK-Carsten, beide Mitglieder der Ultràs Krefeld, die den Fußball-Niederrheinligisten KFC Uerdingen unterstützen, machten für RP-Sportredakteur Oliver Schaulandt eine Ausnahme und sprachen mit ihm über die Petition von mehr als 50 deutschen Ultrà-Gruppen an den Deutschen Fußball-Bund (DFB), Pyrotechnik in Fußballstadien unter Auflagen zuzulassen.

Braucht der KFC Uerdingen in der sechsten Liga Fans mit Pyrotechnik?

UK-Staude Pyrotechnik ist wie der Schlachtruf oder die Fahne im Stadion ein Teil der Fankultur. Da ist es egal, ob man in der Bundesliga oder in der 6. Liga spielt. Jeder Sportler freut und motiviert sich über Unterstützung seiner Fans.

Was reizt an Pyrotechnik im Stadion?

UK-Carsten Pyrotechnik ist ein Teil der jahrelang gewachsenen Fankultur. Dabei sprechen wir bewusst von Fankultur. Denn Bengalische Feuer erstrahlten schon in den Kurven, als in Deutschland noch keine Ultrabewegung Einzug in die Stadien hielt. Jeder, der das entscheidende Tor in der Nachspielzeit einmal miterlebt hat, wird genau wissen, was den besonderen Reiz von Pyrotechnik in solchen Momenten mit sich bringt. Bereits in 90er Jahren wurden Tore in den Kurven mit Bengalen gefeiert. Pyrotechnik ist Ausdruck von Freude und Emotion wie zum Beispiel das Jubeln oder das Schwenken einer Fahne.

Aber wesentlich gefährlicher.

UK-Staude Pyrotechnik ist schon über 20 Jahre ein Bestandteil der Fankultur. Sie war zwar früher nicht offiziell erlaubt, hatte aber weder für Vereine noch für Fans Konsequenzen. Da stellt sich für uns die Frage, warum heute dies heute so extrem kriminalisiert wird. Eine Folge ist, dass Pyromaterial manipuliert wird, um es an den Kontrollen vorbei zu schmuggeln. Fatale Unfälle, wie sie bei losem mitgeführtem Magnesiumpulver passieren können, sind zwar selten, aber nicht auszuschließen. Ein kontrolliertes Abbrennen würde Unfälle verhindern und die Sicherheit für alle Beteiligte um Einiges erhöhen.

Welche Art von Pyrotechnik wollt Ihr legalisieren lassen?

UK-Staude Das Konzept sieht vor, dass nur in Deutschland zugelassene Pyrotechnik verwendet wird, die das ganze Jahr über für Personen ab 18 Jahre frei erhältlich ist. Die momentan in vielen Stadien üblichen illegalen Feuerwerkskörper aus Osteuropa lehnen wir ab. Auch distanzieren wir uns von Böllern, Leuchtraketen und dergleichen. Die Dinger sind gefährlich und haben auch nichts mit "Stimmung machen" zu tun.

Aber bislang haben sie häufig den Weg ins Stadion gefunden. Wie wollt Ihr vermeiden, dass keiner seine Silvesterbestände mitbringt?

UK-Carsten Leider kommt es vor, dass mit Pyromaterial nicht verantwortungsbewusst umgegangen wird. Die Fandemo in Berlin im Oktober hat gezeigt, dass die Fanszenen immer selbstkritischer werden. Um den Missbrauch von Pyrotechnik zu unterbinden, betreiben die Unterstützer dieser Kampagne Aufklärungsarbeit innerhalb der Fanszenen und suchen den Dialog zu Vereinen, Ordnungsdiensten, Behörden und zur Polizei. Durch ein Legalisieren der Pyrotechnik würden die Fanszenen mehr Eigenverantwortung übernehmen, und so dürfte eine Selbstregulierung innerhalb der Gruppen zur Vermeidung von ungeplanten Zwischenfällen führen. Wer dennoch gegen die Regel verstößt, wird sehen, wie sehr er sich dabei ins eigene Fleisch schneidet, weil er der gesamten Fanszene durch solche unüberlegten Aktionen schadet. Denn die Fans werden sich der gewonnenen Zugeständnisse nicht wieder berauben lassen wollen durch irgendwelche Einzelgänger.

Vor zwei Wochen haben Vertreter der Ultràs die Petition an den DFB übergeben. Gibt es schon eine Resonanz?

UK-Carsten Der DFB hat zugesagt, unseren Antrag ernsthaft zu prüfen und sich damit auseinander zu setzen. Da das Konzept sehr ausführlich ist, bedarf es Zeit. Unser Ziel ist, ein gemeinsames Konzept mit dem DFB zu entwickeln. Der Sicherheitsbeauftragte des DFB hat uns ein persönliches Gespräch nach der endgültigen Prüfung zugesagt, um über das Konzept zu sprechen und am Ende hoffentlich auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen.

Quelle: RP

 
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