Fußball: Der Buhmann in Grau
VON OLIVER SCHAULANDT - zuletzt aktualisiert: 27.10.2008Trotz drei Spielern weniger gewann der KFC Uerdingen gestern in der Grotenburg gegen den SC Kapellen-Erft mit 1:0. Spielerisch war’s eine Zumutung, aber immerhin sorgte der Schiedsrichter für gehörige Aufregung.
Es gibt Fußballspiele, da möchte man am liebsten den Schiedsrichter hinterher fragen, ob er schon mal ins Regelwerk geschaut hat. Ob dies Stephan Nerlich schon einmal getan hat, war gestern nicht festzustellen. Doch trotz einer ganz schwachen Vorstellung mit äußerst merkwürdigen Entscheidungen des Mannes in Grau gewann der KFC Uerdingen gestern in einem kampfbetonten Spiel trotz drei Feldverweisen gegen sich mit 1:0 gegen den SC Kapellen-Erft und rettet seinem Trainer Richard Towa zumindest erst einmal den Arbeitsplatz. Und nach dem Abpfiff kam der Schiedsrichter nur unter Begleitschutz vom Rasen.
Volle Konzentration, hohen Einsatz und viel Kampfbereitschaft hatte Richard Towa von den Seinen gefordert. Und diesmal hatten die Uerdinger auch zugehört. In den ersten 20 Minuten lieferten sie mit Abstand ihre bislang beste Saisonleistung ab, setzten die Gäste gehörig unter Druck. Dass kein Tor dabei heraussprang, lag zunächst an der Querlatte, die Ervin Zukanovic (4.) und Sven Kegel (8.) im Weg standen, und später an Torwart Offermann, der Schüssen von Alexander Hettich (12.), Gustav Policella (15.) und Stephan Maas (16.) entschärfte. Machtlos war er aber in der 43. Minute, als erneut Hettich die Latte traf und Policella den Ball per Flugkopfball über die Linie drückte.
Danach wurde das Spiel immer mehr zur Nebensache, hatte aber einen neuen Hauptdarsteller. Zunächst schickte Schiedsrichter Nerlich Sven Kegel nach dessem ersten Foul vom Platz (45.) – völlig überzogen. Danach hatte er seine Freude an der Abseitsregel entdeckt, die er jedoch auf eigene Art interpretierte und so kaum mehr weitere Chancen der Uerdinger zuließ als die von Hettich, der in eine Policella-Flanke hinein gehechtet war und erneut die Fangsicherheit des Gästeschlussmannes testete (56.). Und in der Schlussphase entglitt ihm die Partie endgültig. Zukanovic sah Gelb-Rot wegen Zeitspiels, Marcus Wedau wegen Festhaltens. Am Ende standen sechs gelbe, zwei Gelb-Rote und eine Rote Karte auf seinem Notizzettel – alle gegen Uerdingen, und viele davon zumindest fragwürdig. Gegen Kappelen gab’s zwei Mal Gelb.
„Die Rote Karte war zweifelhaft“, gestand sogar Gäste-Trainer Sven Schuchardt ein. „Sie hat viel Hektik in das Spiel gebracht.“ Und sein Gegenüber, Richard Towa, sagte: „Wir haben mit Leidenschaft gespielt und bewiesen, dass wir doch Fußball spielen können. Das war die richtige Antwort auf diese Woche.“
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