Fußball: Die Traditionsretter
VON H.-G. SCHOOFS - zuletzt aktualisiert: 05.01.2008Eine Gruppe um Rainer Lucas, Verwaltungsratsmitglied des KFC Uerdingen, will bis Ende Januar 1000 Geldgeber finden, die je 100 Euro spenden.
Ferner soll der Fußball-Oberligist mit Hilfe eines „Vereins der Mitglieder“ umstrukturiert und modernisiert werden.Krefeld/Fussball Noch sind die Lichter in der altehrwürdigen Grotenburg nicht erloschen. Doch die Zeit ist knapp, den KFC Uerdingen vor der dritten Insolvenz innerhalb von vier Jahren bewahren zu können. Die Verantwortlichen der Aktion „wählt Krefeld“ bemühen sich derzeit darum, viele Zuschauer zum Freundschaftsspiel gegen den Bundesligisten MSV Duisburg am 22. Januar anzulocken, um damit die Vereinskasse kurzfristig aufzufüllen.
Eine andere Gruppe, die sich „Traditionsretter“ nennt und von Rainer Lucas, Verwaltungsratsmitglied des KFC, und Andreas Galland, Leiter des Amtes für Wirtschaftsförderung bei der Stadt Neuss, angeführt wird, hat viel weitreichendere Pläne. Zunächst sollen 1000 Geldgeber gefunden werden, die bis Ende Januar je 100 Euro spenden. Damit soll erstmal der Insolvenzantrag vom Tisch. Dann wollen die Traditionsretter mit Hilfe des „Vereins der Mitglieder“ (VDM) den Club demokratisch führen und umgestalten.
Die Traditionsretter feierten ihre Geburtsstunde im Internet. Fans und Freunde des KFC nutzten das Forum der Xing-Gruppe für Fußballclub-Management, um für ihre Idee Mitstreiter zu finden. „Hauptsächlich aus dem süddeutschen Raum haben wir viele Mitstreiter. Selbst aus China meldeten sich Leute. Die Transparenz ist enorm“, erklärte Rainer Lucas gestern. Da das Internetportal der Xing-Gruppe überlastet war, stellten die Traditionsretter eine eigene Internetseite auf die Beine. Der Kern der Gruppe besteht aus sieben Leuten. „Wir haben uns diese Woche in Krefeld getroffen und sieben Stunden diskutiert und geplant. Die Zeit ist knapp. Wir werden uns nächste Woche mit dem Insolvenzverwalter zusammensetzen und hoffen, dass es dann Ende Januar beim KFC ohne Insolvenz weiter gehen kann“, sagte Lucas. Der amtierende Vorstand steht bei der Aktion außen vor, freut sich aber über die vielleicht letzte Chance, den KFC zu retten. „Wir begrüßen und unterstützen das sehr“, erklärte gestern Vorstandsmitglied Uwe Vohwinkel.
Die Geld-zurück-Garantie
Über das gespendete Geld werden allein der Insolvenzverwalter und nach erfolgreichem Rückzug des Antrages die Traditionsretter, sprich der VDM verfügen. Falls trotz aller Bemühungen doch zum dritten Mal in der Vereinsgeschichte das Insolvenzplanverfahren eingeleitet werden muss und der KFC dadurch von der Bildfläche verschwindet, , werden die Spendengelder zurückgezahlt. „Das Geld fließt auf ein Treuhänderkonto bei der Commerzbank Krefeld“, sagte Lucas.
Selbst wenn die Rettungsaktion nicht gelingen sollte, wollen Lucas und seine Mitstreiter die Tradition am Leben erhalten: „Sollte es zum Zwangsabstieg kommen, wollen die Retter und Mitglieder einen echten Neuanfang. Die Tradition wird gewahrt, wenn die Identität des Vereins und die Strukturen, und hier besonders im Jugendbereich, erhalten bleiben. Das gespendete Geld könne dann dazu einen entscheidenden Beitrag leisten.“
Weitere Infos: www.traditionsretter.de
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