Tennis: Eine blau-weiße Nacht in Erfurt
VON H.-G. SCHOOFS - zuletzt aktualisiert: 19.08.2008Krefeld gehört weiter zum Tennis-Oberhaus. Das steht seit dem dramatischen Finale des HTC Blau-Weiß Krefeld vom letzten Samstag in Erfurt mit der Rettung in letzter Sekunde fest. Klar, dass der 17-köpfige Tross vom Niederrhein anschließend in der thüringischen Landeshauptstadt ihre blau-weiße Nacht zum Tag machte.
Olaf Merkel zeigte sich angesichts der Ereignisse auf dem Tennisplatz und hinterher auch gestern noch stark beeindruckt. „So etwas habe ich noch nie erlebt“, sagte der Teamchef und meinte damit in erster Linie die letzten Ballwechsel im entscheidenden Doppel. Dennis van Scheppingen habe den stark nach außen gesetzten Aufschlag von Uhlirach nur mit letzter Mühe returnieren können und dabei den Ball mit dem Rahmen getroffen: „Ich habe mich schon weggedreht, als der Ball in den Himmel flog. Doch er knallte wie von Gottes Hand noch auf die Grundlinie. Dann machte Uhlirach den Fehler.“
Vielleicht half es ja tatsächlich, dass van Scheppingen morgens im Erfurter Dom eine Kerze angezündet hatte. Jedenfalls war Krefelds Niederländer nicht nur in Erfurt maßgeblich am Klassenerhalt der Blau-Weißen beteiligt. Sowohl im Einzel, als auch im Doppel verbuchte er eine positive Bilanz. Der 33-Jährige, einst 72. der Weltrangliste, ließ keinen Zweifel daran, dass er auch nächstes Jahr wieder im Stadtwald aufschlagen wird. „Wenn er gesund bleibt, auf jeden Fall. Dennis hat großen Spaß und ist als Teamplayer ein ganz wichtiger Mann für die Stimmung“, sagte Merkel.
Noch in der Kabine fragte Franco Ferreiro beim Teamchef nach, ob er und Diego Junqueira weiter für Krefeld spielen dürfen. Merkel hat nicht nichts gegen: „Beide haben einen europäischen Pass und werden sich in der ATP-Liste weiter verbessern. Davon bin ich überzeugt.“ Doch die beiden Südamerikaner dürften auch bei anderen Bundesligisten auf der Liste stehen. Und die winken in der Regel mit mehr Euros als die Krefelder. Meister Aachen gab diese Saison geschätzte 700 000 Euro für sein Team aus. „Ich wäre überglücklich, wenn ich nur die Hälfte zur Verfügung hätte“, sagt Merkel. Er sei froh, dass diese Saison der Etat so gerade eben gereicht habe. Auch wenn die Blau-Weißen lieber nicht so lange gezittert hätten, wurden durch verpasste Punkte auch Prämien eingespart.
Mehr als der Klassenerhalt wird auch in 2009 für den HTC kaum möglich sein: „Nach zwei Jahren, in denen wir überraschen konnten, verlief diese Saison normal für uns. Es ist nicht einfach, sich Jahr für Jahr als Außenseiter zu behaupten.“ Aber Krefelds „Mister Tennisbundesliga“ wird auch 2009 wieder ein Team aufstellen, dass den Abstieg verhindern kann.
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