Jahresrückblick 2007 - KFC: Grabenkämpfe und Burgfrieden
VON OLIVER SCHAULANDT - zuletzt aktualisiert: 28.12.2007Der KFC Uerdingen hat einmal mehr ein turbulentes Jahr hinter sich. Sportlich nur mäßig erfolgreich, traten immer mehr Querelen in den Vordergrund. Vor allem Vorsitzender Ralf Houben sah sich massiver Kritik ausgesetzt. Die Geschehnisse gipfelten im erneuten Antrag auf Insolvenz.
Fußball ist manchmal nur eine nette Randerscheinung. Zumindest in Bezug auf die Geschehnisse innerhalb eines Vereins. Würde man ein Lied über das Jahr 2007 über den KFC Uerdingen schreiben, es wäre vermutlich in moll komponiert und tief traurig sein. Denn viel spannender als die Leistungen der Akteure auf dem Platz waren die Nebenkriegsschauplätze, die sich durch das Jahr wie ein Roter Faden zogen und im erneuten Antrag auf Insolvenz zum Jahresende hin gipfelten.
Nahezu immer im Mittelpunkt stand Vorsitzender Ralf Houben. Seine Art der Vereinsführung war vielen ein Dorn im Auge. Alleingänge (die Verpflichtung von Trainer Aleksandar Ristic) und mangelnde Informationsbereitschaft (finanzielle Situation) wurden ihm ebenso vorgeworfen wie seine Art, mit (ehrenamtlichen) Mitarbeitern umzugehen. Gleich zwei Mal gab es massive Bestrebungen, ihn zu einem Rücktritt zu bewegen.
Der Hoffnungsträger
Die Hoffnungen der Fans des KFC auf ein Weiterbestehen des Clubs ruhen erneut auf dem vorläufigen Insolvenzverwalter Eberhard Stock. Er hatte bereits beim Insolvenzplanverfahren 2005 das Sagen im Club. Zwar hatte er nach dem Verfahren den Wunsch geäußert, nie wieder den Verein dienstlich sehen zu müssen, doch das geschah schneller, als er sich vermutlich hatte träumen lassen.
Ende Juni hatte der damalige Verwaltungsrat eine mögliche neue Führungsspitze bereits Gewehr bei Fuß stehen. Wilfried de Buhr sollte den Vorsitz übernehmen, Ex-Nationalspieler Matthias Herget als Sportlicher Leiter agieren und der frühere Uerdinger Stürmer Wolfgang Schäfer den Vorstand komplettieren. Das Trio hätte angeblich fünf, sechs Sponsoren mitgebracht. Und zudem sollten einige Lokalpolitiker in den Verwaltungsrat kommen. Angeblich habe es auch eine Absichtserklärung gegeben, zurückzutreten. Nachdem Houben erfahren hatte, wer sein Nachfolger werden sollte, weigerte er sich, seinen Posten aufzugeben. „Herr de Buhr ist keine Alternative“, sagte er seinerzeit. Konsequenzen des Machtkampfes waren Rücktritte. Otmar Beltau hörte als Zweiter Vorsitzender auf, Verwaltungsratsboss Marion Gabrielli zog sich ebenfalls zurück. Auch Dr. Dirk Lumme, Manfred Overdick und Klaus Bellgardt legten ihre Posten nieder.
Damit sollte eigentlich Ruhe im Verein herrschen. Doch der (Groten-)Burgfrieden war nur von kurzer Dauer. Bereits Ende August wurde bekannt, dass der Etat für die laufende Spielzeit nicht gedeckt sei. Der neue Zweite Vorsitzende, Christoph Aretz, trat daraufhin zurück und forderte Ralf Houben auf, es ihm nachzutun. Er warf ihm vor, Alleingänge getätigt zu haben und den Verein ohne Konzept zu führen. Zudem steuere der KFC auf eine erneute Insolvenz zu, die möglicherweise schon in der Winterpause drohen würde – die Zeit gab ihm im Nachhinein Recht. Daraufhin traten ein Dutzend ehrenamtliche Mitarbeiter in den Streik. Auch sie forderten einen Rücktritt Houbens. Der wiederum bot in einer gemeinsamen Sitzung von Vorstand, Teilen des Verwaltungsrates und Großsponsoren seinen Rücktritt an. Die Gremien baten ihn jedoch, im Amt zu bleiben. Der Streit endete mit einem Schulterschluss: Die Großsponsoren stellten sich hinter Houben, der Verwaltungsrat gab nach.
In der Nacht zum 15. Dezember stellte der Vorstand dann erneut den Antrag auf Insolvenz. Das Ergebnis ist noch offen; der Verein ist nun gar in seiner Existenz bedroht.
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