Fußball: „Ich bin kein Abramovic“
VON INTERVIEW VON OLIVER SCHAULANDT - zuletzt aktualisiert: 24.01.2008Großsponsor „Lakis“ Kourkoudialos hat dem KFC Uerdingen gestern eine sechsstellige Summe zur Vorfinanzierung des Spiels gegen Eintracht Frankfurt zur Verfügung gestellt. Damit ist die Insolvenz vom Tisch.
Der KFC Uerdingen hat gestern den Antrag auf Insolvenz beim Amtsgericht Krefeld zurückgezogen. Neben den Einnahmen aus den beiden Retterspielen machte dies das Engagement eines neuen Großsponsoren möglich: Der Neusser Unternehmer „Lakis“ Kourkoudialos hat eine sechsstellige Summe auf das KFC-Konto eingezahlt. Mit ihm sprach RP-Sportredakteur Oliver Schaulandt.
Warum engagiert sich ein Neusser für einen Krefelder Verein?
Lakis Ich bin einfach Fußball-fanatisch. Am liebsten würde ich mich jetzt sofort umziehen und mit den Jungs trainieren. Wirtschaftlich bringt mir das Engagement in Krefeld nichts. Als Jugendlicher habe ich bei Bayer Leverkusen gespielt, und da schielt man auch schon mal mit einem Auge zum kleinen Bruder nach Uerdingen.
Wie kam der Kontakt zu Stande?
Lakis Ich habe vor drei Jahren im Zuge der damaligen Insolvenz schon überlegt, beim KFC einzusteigen, es aber dann verworfen. Jetzt habe ich von dem Bündnis „Krefeld wählt“ erfahren, und ich muss sagen, es hat mich begeistert, mit wie viel Engagement diese Leute an die Rettung des KFC Uerdingen heran gegangen sind. Das macht wirklich Spaß zu sehen. Und ich denke, dass man im Verein noch Einiges bewegen kann. Mich hier zu engagieren, war letztlich eine spontane Entscheidung aus dem Bauch heraus, die ohne die Aktion „Krefeld wählt“ und vor allem Norbert Kalwa sicher nicht gefallen wäre.
Im Gespräch bei Ihrem Engagement war eine Größenordnung im sechsstelligen Bereich. . .
Lakis Ja, sechsstellig stimmt. Vielleicht kommt auch noch etwas dazu. Wir brauchen nach dem Weggang von Christian Knappmann noch dringend einen Stürmer. Allerdings müssen wir den auch bezahlen können.
Das klingt, mit Verlaub, ein wenig nach Verhältnissen wie bei Chelsea London. . .
Lakis Um das mal klarzustellen: Ich will den Verein nicht kaufen, und ich bin auch kein Abramovic. Der KFC wird kein Spielzeug für mich sein. Ich bin hier angetreten, um mit meiner Arbeit dem Verein zu helfen, ihn wieder nach vorne zu bringen. Das kann ich gar nicht alleine, dazu braucht man ein funktionierendes Team, das die Sache in die Hand nimmt. Ich bin dann nur einer im Team.
Heißt das, Sie würden auch einen Posten im Vorstand übernehmen?
Lakis Ich kann es mir gut vorstellen, wenn das Team stimmt.
Eventuell auch als Vorsitzender?
Lakis Das schließe ich zumindest nicht aus.
Also sehen Sie Ihren Einstieg als langfristig?
Lakis Ja, ich bin keine Eintagsfliege.
Welche Prioritäten setzen Sie jetzt beim KFC?
Lakis Zunächst mal: Wir haben die Insolvenz jetzt zwar abgeschmettert, aber die Saison ist noch lang. Ich werde mich jetzt vorrangig um die Sponsoren kümmern, sowohl um die derzeitigen als auch um mögliche neue. Der Verein muss wieder eine Attraktion für Krefeld werden, wir als Verein, die Fans, die Ehrenamtler, die Führungsgremien und natürlich auch die Mannschaft auf dem Platz, wir alle müssen dazu beitragen. Diese Leistung muss einfach von uns kommen, dann werden wir auch wieder attraktiver, dann bekommen wir hoffentlich auch eine andere Lobby als bislang.
Das haben in der Vergangenheit aber auch schon andere versucht.
Lakis Ach wissen Sie, Vergangenes ist vergangen. Das interessiert mich nicht, das ist abgehakt. Ich will nach vorne schauen und nicht mehr hinterfragen, was früher war.
Und wie soll es sportlich weiter gehen? Bei elf Punkten Rückstand auf Platz vier ist ein Aufstieg wohl kaum noch möglich.
Lakis Unser Ziel muss sein, zumindest die Zugehörigkeit zur neuen NRW-Liga zu sichern – wenn es noch mehr werden würde, sagen wir natürlich auch nicht nein. Aber Platz vier ist wohl zu schwer und nicht sehr realistisch, da gebe ich Ihnen Recht, sondern vielmehr Platz sieben oder acht. Im nächsten Jahr wollen wir dann aber in die Regionalliga aufsteigen.
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