Fußball: KFC vor dem Absturz
VON OLIVER SCHAULANDT - zuletzt aktualisiert: 13.05.2008Der KFC kann aus eigener Kraft die NRW-Liga nicht mehr erreichen. Nach der 2:3-Niederlage gegen Duisburg vor 2792 Zuschauern sind die Uerdinger auf Schützenhilfe angewiesen – und müssen unbedingt bei Fortuna gewinnen.
Grotenburgstadion, gestern um 16.50 Uhr. Kevin Okereke, Mike Manske und Matthew Mandy liegen auf dem Boden. Platt. Ausgepumpt von einer zu viele Kräfte zehrenden ersten Halbzeit. Rings herum tanzen putzmuntere Duisburger. Deren Erstvertretung ist erst tags zuvor aus der Bundesliga abgestiegen. Die Amateure hingegen feierten mit dem 3:2-Erfolg nach 0:2-Pausenrückstand den Verbleib in der NRW-Liga. Den hätte auch der KFC gestern liebend gerne gefeiert. Doch weil Wuppertal und Düsseldorf gewannen, stehen die Blau-Roten nun mit einem Bein in der sechsten Liga. Zumindest allein aus eigener Kraft ist die Qualifikation nicht mehr möglich (siehe Anstoß).
Dabei hatten die Uerdinger stark angefangen, waren mit (letztlich viel zu) hohem Tempo in die Partie gestartet. MSV-Coach Horst Steffen hatte Beton in den Abwehrriegel gemischt, bot gleich zwei Viererketten vor dem eigenen Schlussmann auf. Dennoch gingen die Uerdinger in Führung: durch Onur Özkaya, der überraschend einen Platz in der Startformation bekommen hatte (14.). Auch danach blieb Uerdinger dran, und nach einem langen Schlag aus der eigenen Hälfte zimmerte Luciano Velardi den Ball zum 2:0 ins Duisburger Tor. Özkaya hatte nur zwei Minuten später die Gelegenheit zum 3:0, doch frei stehend schoss er Torwart Herzog an.
Nach dem Wechsel zog der Schlendrian beim KFC ein. Die Kräfte ließen immer mehr nach, und dementsprechend erhöhte sich auch die Fehlerquote. Statt sich hinten in die Abwehr zu stellen und den gegner müde zu machen, versuchten die Uerdinger weiterhin, selbst das Spiel zu machen. Den ersten Fehler nutzte Terodde zum Anschlusstreffer (54.), anschließend kosteten solche Patzer den möglichen Sieg. Zunächst schoss Ales Kohout aus spitzen Winkel ans Außennetz statt quer auf den frei stehenden Velardi zu passen (56.), in der 70. Minute zog Özkaya selbst ab (und traf den Pfosten) anstatt quer zum ganz allein stehenden Kohout zu spielen. Das rächte sich auch prompt, und per Doppelschlag wandelten die Gäste das 1:2 in einen 3:2-Sieg um. Zunächst traf erneut Terodde (73.), drei Minuten später gelang Boland mit einem Schuss aus gut 25 Metern der Siegtreffer, der die Uerdinger nun in allergrößte Abstiegsnot stürzt.
Da hatte sogar MSV-Coach Steffen Mitleid. „Ich komme aus der Jugend des KFC, bin selbst wieder Mitglied. Es wäre schön, wenn wir in der nächsten Saison wieder gegen Uerdingen spielen könnten. Ich wünsche dem KFC, dass er es noch schafft.“ Sein Gegenüber Klaus Berge kommentierte mit erstaunlich sachlichen Worten die bittere Niederlage: „Der MSV hat verdient gewonnen, das war bei diesem Wetter ein tolle Aufholjagd. Duisburg war in der zweiten Halbzeit läuferisch und konditionell besser als wir. Nach dem 3:2 war unser Tank einfach leer. Das ist wie beim Autofahren: Wenn da der Tank leer ist, fährst du halt zur Seite und hältst an. Jetzt müssen wir halt hoffen, dass uns da oben jemand wohlgesonnen ist und die anderen für uns spielen.“
KFC: Möllering - Okereke, Karachristos, Ehrhard, Daftari - Kegel, Mandy - Manske, Velardi (80. Wedau) - Özkaya (80. Policella), Kohout (70. Amione)
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