Fußball: Paßlack trainiert Arbeitslose
VON INES RZEPKA - zuletzt aktualisiert: 21.07.2008Der frühere Uerdinger Nationalspieler Stefan Paßlack ist Trainer im Auftrag der Spielergewerkschaft VdV. In Duisburg trainiert er gemeinsam mit Alexander Bade und Sebastian Selke vereinslose Profi-Fußballer.
Duisburg Trainer Stefan Paßlack laufen die Spieler und Kollegen davon. Über den Flurfunk dringen die Bulletins bis an den Spielfeldrand, wer den Absprung aus dem Camp geschafft und bereits einen neuen Verein gefunden hat. Seit 2003 ist das Trainingscamp der Spielergewerkschaft VdV in Duisburg eine Präsentationsplattform für vereinslose Profis und Neulinge im Trainergeschäft. „Auch für uns Trainer ist das natürlich eine gute Erfahrung. Unser Hauptaugenmerk liegt aber darauf, die Spieler fit zu machen“, sagt der frühere Nationalspieler Paßlack, der in seiner letzten Station das Trikot des KFC Uerdingen trug. Er hat schon bei einigen Spielern sowie Karlheinz Pflipsen und Dirk Zimmermann erlebt, wie schnell es gehen kann. Pflipsen trainiert nun die U23 von Rot-Weiß Essen, Zimmermann ist Torwarttrainer beim Wuppertaler SV.
Davon sind die rund 20 Arbeitssuchenden, die pro Woche teilnehmen können, weit entfernt. Markus Anfang zum Beispiel schindet sich, um im „Fall X“ bereit zu stehen: „Die Kondition kann man sich im Wald holen, aber hier kann man sich fußballspezifisch fit halten“, erklärt der 34-Jährige. Nach 14 Jahren im Geschäft muss sich Anfang mit einer ungewohnten Situation auseinandersetzen. Während der Mittelfeld-Routinier aber immerhin mit Ex-Arbeitgeber Fortuna Düsseldorf über eine Karriere nach der Karriere verhandelt, haben viele Kollegen keinen Plan B. Durch den Einsatz in Duisburg finden immerhin 80 Prozent der Spieler einen neuen Verein.
Noch ist die Stimmung im Camp gut, wenn die neue 3. Liga und die Bundesligen angefangen haben, die letzten hektischen Nachkäufe abgeschlossen sind, werden die Köpfe tiefer hängen. „Natürlich macht man sich viele Gedanken“, gibt David Pallas offen zu. Der ehemalige Profi vom VfL Bochum ist bereits seit einem Jahr arbeitslos. „Vor einem Jahr habe ich meinem Berater vertraut und bin mit meiner Familie in Urlaub gefahren“, sagt der Schweizer, der im schlimmsten Fall auf seine kaufmännische Ausbildung zurückgreifen kann. „Manche Vereine wollen die Situation auch ausnutzen und bieten wirklich sehr wenig an.“
Damit keiner der VdV-Schützlinge über den Tisch gezogen wird, können sie sich juristischen Beistand holen. Neben einem neuen Konditions- und Rehatrainer gibt es auch eine Laufbahnberatung. Der bunt gemischte Haufen, zu dem auch international erfahrene Spieler wie WM-Teilnehmer Komi Massamasso Tchangai aus Togo gehören, bekommt Unterkunft, Verpflegung und Trainingskleidung gestellt. „Wir haben hier optimale Bedingungen, und die Spieler ziehen auch alle super mit“, sagt Paßlack, dem die ehemaligen Uerdinger Alexander Bade und Sebastian Selke als Torwarttrainer zur Seite stehen.
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