Football: Tradition kehrt zurück
VON SEBASTIAN KEILHOLZ - zuletzt aktualisiert: 27.11.2007Sieben Jahre nach ihrem Rückzug wollen die Krefeld Chiefs wieder eine Football-Mannschaft auf die Beine stellen. Die RP hat das erste Sichtungstraining am Uerdinger Löschenhofweg begleitet.
Amrican Football Mario Junger macht den Hampelmann – und alle machen mit. Nicht nur in der Kleinkindergruppe des örtlichen Turnvereins steht die Aufwärmübung auf der Tagesordnung. Auch für ein American Football-Team kann das rhythmische Zusammenspiel von Armen und Beinen nicht schaden. Schließlich müssen die Muskeln auf Betriebstemperatur gebracht werden, bevor es richtig zur Sache geht.
„Try-out-Phase“
Voller Körperkontakt mit Helm und martialischer Brustpanzerung ist an diesem kühlen Sonntagmorgen noch nicht angesagt. Die Krefeld Chiefs befinden sich noch in der „Try-out-Phase“ – ein Anglizismus für Sichtungslehrgang oder Schnupperkurs. Sieben Jahre ist es her, dass die Chiefs nach internen Vorstandsquerelen den Spielbetrieb einstellten und von der deutschen Football-Landkarte verschwanden. Jetzt soll die Krefelder Tradition für den amerikanischen Nationalsport wieder aufleben – mit einem neuen Team. Als Krefelder Football-Urgestein ist Junger einer der Initiatoren des Neuaufbaus. Dafür, dass er offiziell als Geschäftsführer des Vereins fungiert, beweist der immer noch drahtige Ex-Spieler beim eingesprungenen Liegestütz eine gute Fitness. „Der Mario ist immer noch topfit, ich bin mal gespannt, ob er noch mal aufs Spielfeld zurückkehrt“, sagt Björn Andres mit einem Augenzwinkern. Der 36-Jährige ist der neue erste Vorsitzende der Chiefs.
Schon bei den Mönchengladbach Mavericks führte er als Präsident die Geschicke eines American Football-Vereins, bei den Hamburg Sea Devils arbeitete Andres als Fankoordinator. „Der Reiz etwas ganz Neues aufzubauen hat mich zu den Chiefs verschlagen“, sagt er. Genau wie Kollege Junger hofft er nach dem Ende der NFL-Europe auf Synergieeffekte. „Viele Fans aus der Region sind heimatlos geworden, in diese Lücke möchten wir gerne stoßen“, so Junger. Dafür braucht es aber zunächst ein Team.
Rund 15 potentielle Akteure haben sich auf dem tiefen Rasen versammelt. Nicht allzu viel, denn um eine Mannschaft zum Ligabetrieb anzumelden, muss ein größerer Kader her. „35 Spieler sollten es schon sein“, sagt Andres, der mit den Chiefs in der sechsten Liga ganz unten anfangen müsste. Dank einer Kooperation mit Bayer haben die Chiefs-Verantwortlichen zumindest das Platzproblem gelöst und dürfen in den Uerdinger Sportpark am Löschenhofweg. Der abseits gelegene Rasenplatz an der Ecke Nikolaus-Groß-Straße ist die neue Heimat der Chiefs. Etwas heruntergekommen, aber besser als gar nichts. Starten die Chiefs im April 2008 tatsächlich einen neuen Ligabetrieb, so dürfen die Heimspiele im großen Stadion ausgetragen werden. Bis dahin ist es noch ein weiter Weg. „Ob die das durchziehen“, unken einige der zahlreichen Kiebitze abseits des ersten Trainings. Ob Spieler aus vergangenen Tagen, Freunde oder neugierige Spieler aus anderen Vereinen – es hat sich herumgesprochen, dass es die Chiefs wieder gibt.
Neben Junger leiten zwei alte Bekannte das Training: Swen Emmerich und Holger Tudyka spielten 1992 erstmals für die Chiefs. Mit seiner orangefarbenen Trillerpfeife gibt Quarterback Emmerich die Kommandos für die Sprints. Achim Pütz, Ex-Bundesligaspieler und der eigentliche neue Head-Coach, schaut sich das Ganze vom Rand aus an. Wer kann das lederne Ei zielgenau in die Endzone werfen, wer ist ein talentierter Wide-Receiver – bei teilweise blutigen Anfängern gar nicht so leicht zu sagen. Einige hinterlassen zumindest einen ordentlichen Eindruck. Den Hampelmann jedoch macht keiner so schön wie Junger.
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