Hückelhoven: 300 Aktive gegen Rechts
VON DANIELA GIESS - zuletzt aktualisiert: 01.10.2009Hückelhoven (RPO). Auf große Resonanz stieß der Aufruf der Initiatoren. Zur Gründungsversammlung für das "Bündnis gegen Rechts" im Kreis Heinsberg kamen Vertreter aus Politik, Kirchen, Vereinen und Schulen. Jung und Alt wollen sich engagieren.
Kritische Stimme
Enttäuscht von der fehlenden Präsenz anderer Städtevertreter zeigte sich Hückelhovens Bürgermeister Bernd Jansen. Hückelhoven sei die einzige Stadt, die dem Bündnis beitreten wolle. Ihm liege das einstimmige Votum des Stadtrates vor, sagte Jansen.
Rechtsextremen-Aufmärsche in Randerath, Wegberg, Hückelhoven und Erkelenz riefen sie auf den Plan. Mehr als 300 Menschen – Vertreter aus Politik, Kirchen, Vereinen und Schulen – folgten jetzt dem Aufruf des Vorbereitungsteams und gründeten in der evangelischen Friedenskirche ein Bündnis gegen Rechts.
Man wolle der Rechtsextremen-Bewegung etwas entgegensetzen, damit diese sich nicht weiter ausbreiten könne, machte die evangelische Pfarrerin Susanne Bronner deutlich. Gewalt und Rassismus dürfe man keinen Boden geben. NPD-Wahlplakate mit Aufschriften wie "Arbeit nur für Deutsche" sind nach Meinung der Geistlichen Nährboden für Hass und Gewalt. "Hier wird geschickt mit Ängsten gespielt."
Bronner berief sich auf eine aktuelle Studie, nach der 8,6 Prozent der Bundesbürger ein rechtsextremes Weltbild hätten, neun Prozent wünschten sich eine NS-Diktatur, weil sie sie für die bessere Staatsform hielten. Wenn man nach den Ursachen für Rechtsextremismus forsche, dürfe man es sich nicht zu leicht machen, nicht nur die Arbeits- und Perspektivlosigkeit junger Menschen oder deren zerrüttetes Elternhaus sehen. "Unsere Bündnisarbeit wird genauer hinsehen."
Sie wünsche sich Musik-, Theater- und Kabarettveranstaltungen sowie Ausstellungen, um rechtsextremem Gedankengut entgegenzuwirken. Bronner: "Ein Jugendlicher muss erfahren, dass er gebraucht wird und wichtig ist." Die große Resonanz auf die Gründungsversammlung, die für den Fall eines Übergriffs von zwei Polizeibeamten "bewacht" wurde, mache Mut, meinte die Pfarrerin.
Die Arbeitsgruppen im Bündnis gegen Rechts beschäftigen sich mit Bereichen wie Bildung, Jugend und Schule, Sport und Kultur, Integration und Veranstaltungen. Eine "schnelle Eingreiftruppe" mit Gegendemonstranten soll bei Nazi-Aufmärschen im Kreisgebiet zur Stelle sein. Bei der Kommunalwahl seien die Rechtsextremen flächendeckend angetreten, erklärte Schülervertreter Dusty Bock. Der Hückelhovener Gymnasiast hat die rechtsextreme Szene in verschiedenen Städten und Kreisen beleuchtet.
Dabei hat er festgestellt, dass zum Beispiel der NPD-Kreistagsabgeordnete Helmut Gudat sein Mandat nicht nur halten konnte. Er habe sein Stimmergebnis – 1734 votierten für ihn – sogar weiter ausgebaut mit einem Plus von 28 Stimmen gegenüber der vorangegangenen Wahl.
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