Wassenberg: 40 Jahre gelebtes Europa
VON ANGELIKA HAHN - zuletzt aktualisiert: 29.04.2008Wassenberg (RPO). Wassenberg feiert am Wochenende Jubiläum seiner Partnerschaft mit Pontorson in der Normandie. Eine Festschrift lässt neben den offiziellen Veranstaltungen auch viele informelle Begegnungen Revue passieren. Jugendfußballer von Viktoria waren die Vorboten der Partnerschaft.
Keine schlechten Voraussetzungen: Nicht „Offizielle“, sondern Jugendliche, Fußballer von Viktoria Wassenberg unter Leitung von Hans Zohren, ebneten 1965 quasi per Zufall den Weg zur Städtepartnerschaft. Die Bucht des imposanten Mont Saint Michel in der Normandie bot ihnen Anreiz, ihre Ferienzelte aufzuschlagen. Der Klosterberg im Meer fasziniert nach wie vor Besucher aus Wassenberg, die längst nicht mehr in Zelten campieren, sondern meist „zu Hause“ bei guten Freunden.
Großer Bahnhof für die deutsch-französische Partnerschaft heißt es am kommenden Wochenende: In Wassenberg wird der 40. Jahrestag der Freundschaft mit der Stadt Pontorson in der Normandie gefeiert. Am 5. Mai 1968 unterzeichneten die Bürgermeister Günter Müller und Yves Tizon in Pontorson die Urkunden, die die älteste Städtepartnerschaft im der Region besiegelten. Und bis heute ist, trotz mancher zeitbedingter Veränderungen, die Freundschaft lebendig, sagt Sepp Becker, Vorsitzender des Partnerschaftskomitees auf deutscher Seite, und zugleich Autor der durckfrisch vorliegenden Festschrift.
Partnerschafts-Chronik
1965: Zeltlager der Jugend von Viktoria 09 Wassenberg bei Pontorson.
1967: Erster Besuch einer Pontorsoner Delegation in Wassenberg und Gespräche über eine Partnerschaft.
28.11 1967: Wassenbergs Rat stimmt der Partnerschaft zu.
5.5.1968: Feierliche Unterzeichnung der Partnerschaftsurkunden in Pontorson; eine Woche später Festakt zur Gründung der Partnerschaft in Burg Wassenberg.
Ab 1969: jährlich wechselnd in Wassenberg oder Pontorson am ersten Maiwochenende „Partnerschafts- und Europatage“ aus Anlass des Europatags 5. Mai.
Ab 1972: Schüleraustausch.
Ab 1987: Sport- und Begegnungstage.
Sie lässt die 40 Jahre Revue passieren und erläutert zum Einstieg die damals keineswegs selbstverständliche Verbindung zu Frankreich – kurze Zeit nachdem Adenauer und de Gaulle 1963 mit ihrem Vertrag die Jahrzehnte lange „Erbfeindschaft“ zweier Nationen beendet hatten und damit auch Grundlagen europäischer Zusammenarbeit legten. Symbolträchtig daher der Tausch der Urkunden am „Europatag“ 5. Mai. Am ersten Mai-Wochenende finden bis heute jährlich wechselnd in Pontorson oder Wassenberg die von der EU geförderten Partnerschaftstage statt.
Doch Sepp Becker betont, dass die Partnerschaft nie reine „Honoratioren-Sache“ gewesen sei. Zentraler Bestandteil waren von Anfang an die Jugendbegegnungen und der 1972 von der Realschule angestoßene Schüleraustausch, der heute von der Betty-Reis-Gesamtschule getragen wird. Die Festschrift streift auch „Auf und Abs“: Als die Ferienlager an Attraktion verloren, übernahmen die Sport- und Begegnungstage (dieses Jahr am 21. bis 24. Mai in Pontorson) den Part mit verändertem Konzept.
Was wäre die Partnerschaft ohne ihr „Stützkorsett“, wie Becker es ausdrückt: Vereinskameradschaften und vielerlei informelle Kontakte zwischen Bürgern, Begebenheiten, an die sich die Akteure bis heute voller Vergnügen erinnern. Alt-Stadtdirektor Walter Windeln etwa an die Radtouren „der Leiden“ von und zu den Partnerstädten. „Spritztouren nach Pontorson“ lautet ein weiteres Kapitel der Festschrift, das sich an kuriose Spontanbesuche erinnert. Undenkbar wäre die Festschrift auch ohne das Foto des Pontorsoner Kongo-Karnevalsprinzen Yves Rebillon von 1971.
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