Hückelhoven: Angeklagter greift Zeugen an
VON INGRID KRÜGER - zuletzt aktualisiert: 20.09.2008Hückelhoven (RPO). Drei Männer sollen 2002 eine Geschäftsfrau in Millich beraubt haben. Den Angriff eines Angeklagten im Gerichtssaal auf einen bereits verurteilten Mittäter beendeten die Wachtmeister gestern sofort und legten ihm Fußfesseln an.
Was noch wichtig ist
Schwerer Raub Wenn ein Täter oder ein anderer Beteiligter am Raub eine Waffe oder ein anderes gefährliches Werkzeug bei sich führt, droht der Gesetzgeber eine Freiheitsstrafe nicht unter drei Jahren an.
Minderschwere Fälle werden mit Freiheitsstrafen von einem Jahr bis zu zehn Jahren geahndet.
Das brutale Verbrechen in Millich erregte vor sechs Jahren großes Aufsehen. Wegen gemeinschaftlichen bewaffneten Raubüberfalles müssen sich seit gestern drei Männer vor dem Mönchengladbacher Landgerichts verantworten. Ein Mittäter ist bereits zu einer achtjährigen Haftstrafe verurteilt worden und trat gestern als Zeuge auf.
Mit der Waffe bedroht
In der Nacht zum 13. Januar 2002 soll er zusammen mit dem 38-jährigen Angeklagten in das Wohnhaus des Opfers eingedrungen sein. Hier sollen die maskierten und bewaffneten Männer die Lederwarenhändlerin und deren Lebengefährten im Schlafzimmer bedroht und gefesselt haben. Davon geht die Anklage aus. Der 41 Jahre alte Mitangeklagte aus Mönchengladbach und der 47-jährige Hückelhovener sollen damals in der Nähe des Anwesens Schmiere gestanden haben. Die Täter im Millicher Wohnhaus zwangen die Geschäftsfrau mit der Waffe, die Alarmanlage auszuschalten, so lautet das Ermittlungsergebnis. Anschließend packten sie die Beute im Wert von mehreren zehntausend Euro in das Fahrzeug der Hausbesitzerin. Der bereits verurteilte Räuber soll den Wagen weggefahren und mit einem gestohlenen Lkw zurückgekommen sein.
Inzwischen hatten aber Nachbarn die Polizei informiert.Mit dem vollbepackten Pkw gelang den Mänern die Flucht. Der Lkw blieb zurück. Auch die beiden Männer, die Schmiere gestanden hatten, konnten fliehen. Nur der bereits verurteilte Komplize wurde später durch eine DNA-Spur ermittelt. Sowohl der 38-Jährige, der im Schlafzimmer dabei gewesen sein soll, als auch der Hückelhovener machten gestern von ihrem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch. Allein der 41-jährige Mönchengladbacher gab sich als Schmieresteher zu erkennen. Er war es auch, der den Mann aus Hückelhoven als Tippgeber angeworben haben soll. Den gelernten Schlosser habe er wie die anderen Mitangeklagten im Gefängnis kennengelernt. Doch der 47-jährige dreifache Vater schüttelte gestern immer nur den Kopf und schwieg. Allerdings wurde der Tippgeber von den Mitangeklagten nicht eindeutig wiedererkannt.
Auch der damals zu acht Jahren Freiheitsstrafe verurteilte Räuber konnte sich gestern an den Tippgeber nicht ohne jeden Zweifel erinnern. Zugleich belastete er die übrigen Männer auf der Anklagebank als Komplizen. Darüber geriet der Mann aus Recklinghausen derart in Rage, dass er plötzlich über die Ballustrade sprang und sich auf den Belastungszeugen stürzte. Die Wachtmeister reagierten und legten ihm Fußfesseln an.
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