Heinsberg: Atomausstieg: Sorge und Kritik
VON ANDREAS SPEEN - zuletzt aktualisiert: 09.11.2011Heinsberg (RP). Podiumsdiskussion zur Energiewende: Der Ausstieg aus der Kernenergie ist leicht zu beschließen, sagt Dr. Gerd Hachen. Den Beschluss umzusetzen, wird aber viel Zeit in Anspruch nehmen, ergänzt der CDU-Landtagsabgeordnete.
Vorschlag für die Städte
Die Verbraucherzentrale hat im Kreis Heinsberg keine Geschäftsstelle. Udo Sieverding schlägt vor, in Erkelenz, Heinsberg, Hückelhoven oder Geilenkirchen einen Energieberatungsstützpunkt in einem Rathaus einzurichten: "Wir brauchen kein Geld, sondern nur einen Raum und jemanden, der die Termine koordiniert."
Gerd Hachen und seine Partei hatten zur Podiumsdiskussion eingeladen, die in Heinsberg die Auftaktveranstaltung vom vergangenen Juni in Erkelenz fortsetzte. Es hieß wieder: "Energiewende – und was dann?" Der Landtagsabgeordnete kündigte dabei am Montag an, die Energiewende mit weiteren Veranstaltungen begleiten zu wollen. Es bestehe Gesprächsbedarf, zumal der Kreis mit dem Braunkohlentagebau bei Erkelenz einen unmittelbaren und großen Beitrag zur Energiegewinnung beitrage.
Kritik an der ersten Veranstaltung hatte es gegeben, weil auf dem Podium diskutiert wurde, aber nicht mit den Besuchern. Das war dieses Mal anders. Ängste, Sorgen sowie Kritik wurden thematisiert. Was passiert, wenn bei den regenerativen Energien verstärkt auf Biogasanlagen gesetzt wird? Die Gefahr, dass diese in Konkurrenz zur landwirtschaftlichen Nahrungsmittelproduktion treten, wurde angesprochen. Bürokratische Hürden wurden kritisiert. Wer zu Hause im Kleinen Energie erzeuge, werde zum Unternehmer und damit Umsatzsteuerpflicht. "Die Hürde muss abgebaut werden", hieß es. Marcus Palic von der West Energie und Verkehr bestätigte das Problem.
Strompreis ein wichtiges Thema
Thema war auch die Frage, warum die Industrie Strom zu günstigeren Konditionen als Privatpersonen beziehen kann? "Das muss angeglichen werden", sagte ein Gast. Ein anderer kritisierte das Spekulieren mit Energie an der Börse. Bernd Krückel, der CDU-Landtagsabgeordnete aus dem Heinsberger Südkreis, wies aber darauf hin, dass "die IG BCE von der CDU gefordert hat, weiter für günstige Energie für die Industrie zu sorgen, damit keine Arbeitsplätze verloren gehen".
Befürchtet wurden Engpässe, da die erneuerbaren Energien es nicht schaffen könnten, in Spitzenzeiten ausreichend Leistung zu bringen, wenn einmal immer mehr Kernkraftwerke abgeschaltet worden sind. Das ergab sich aus Vorträgen, die einführend in den Abend Gerd Hachen, Marcus Palic und Udo Sieverding von der Verbraucherzentrale NRW gehalten hatten.
Palic wie auch Sieverding hatten dafür geworben, vor Ort das Energiesparen beziehungsweise Energieerzeugen voranzutreiben. Es gibt Kommunen, dazu gehören Gangelt und der Selfkant im Kreis Heinsberg, die schon jetzt weit über der für 2020 anstrebten Menge erneuerbarer Energie liegen, rechnete Palic vor: "Es gibt aber auch viel Potenzial." Sparen durch Sanieren war eine von Sieverdings Aufforderungen. Rund 75 Prozent der deutschen Gebäude seien Altbauten, jedoch liege die Sanierungsquote bei nur rund einem Prozent.
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