Kreis Heinsberg: Auf der Spur der Möhnenhauben
VON THOMAS MAUER - zuletzt aktualisiert: 07.02.2012 - 18:04Kreis Heinsberg (RP). Das Beecker Trachtenmuseum hat eine Ausstellung zu Möhnehauben eröffnet. Ursprünglich haben die mit Karneval gar nichts zu tun. Die Kopfbedeckung kam im 16. Jahrhundert auf und wurde vor allem von Witwen zum Kirchgang und zu festlichen Anlässen getragen.
Ein klein wenig glich die Ausstellungseröffnung einer Karnevalssitzung. Der Eindruck wurde durch die vielen Karnevalisten geprägt, deren Erscheinung der Erkelenzer Prinz Manfred I. noch unterstrich. Dennoch war der eigentliche Anlass die Brauchtumspflege. Über drei Jahre hatte der Verantwortliche des Beecker Trachtenmuseums, Heinz Gerichhausen, in der Region nach den „Möhnenhauben“ geforscht und die letzten existierenden Exemplare eingesammelt. „Ich habe alles abgegrast.“
Gemeint sind die Kopfbedeckungen, die seit dem 16. Jahrhundert zunächst in der Kölner Region, dann aber auch auf dem Lande von älteren Frauen und vor allem Witwen zum Kirchgang und bei festlichen Anlässen getragen wurden. Eine solche Haube wurde in Strick- oder Häkelarbeit aus schwarz eingefärbter Wolle über viele Stunden hergestellt. „Meist abends in den Wintermonaten, wenn solche Heimarbeiten die Zeit verkürzten“, erklärte Gerichhausen. Die Haube hatte zumeist einen Futterstoff und wurde mit Seidenschleifen verziert. Ein breiter Kragen hielt gerade bei der kalten Witterung mollig warm.
„Jede Haube war einzigartig und wurde selbst gefertigt. Die Kunst dazu wurde mündlich weiter gegeben.“ Der Trachtenexperte verwies auf die letzte „Mötzeröstersch“ (Mützenherstellerin), die vermutlich um 1940 in Wegberg geschäftsmäßig die Hauben erstellte. Die Verbindung der Möhnehauben zum Karneval vollzog sich nach Meinung von Heinz Gerichhausen nach dem Weltkrieg mit den sogenannten „Möhnebällen“, die auch der Anbahnung neuer Lebensgemeinschaften dienten. Für die Kostümierung griff frau nach allem, was auffiel, die Möhnenhaube wurde karnevalistisch. Damit rückte ein wesentlicher Bestandteil des Brauchtums in die „fünfte Jahreszeit“.
Heute gehören die Möhnen mit ihren typischen Kopfbedeckungen fest zum karnevalistischen Erscheinungsbild. Großes Gelächter erntete der Trachtenkundler jedoch bei seinem Hinweis auf das Alter der Kopfbedeckungen. „Alle Möhnen hier sind mindestens 100 Jahre alt.“ Die anwesenden Damen, einschließlich der stellvertretenden Wegberger Bürgermeisterin Nicole von den Driesch, nahmen es mit Humor. „Ich bin stolz auf die beiden Museen in Wegberg,“ betonte von den Driesch, und auch der EKG-Prinz Manfred I. betonte, dass gerade die Verbindung zwischen Brauchtum und Karneval an kommende Generationen weiter gegeben werden müsse.
Ein kleines praktisches Beispiel erlebte EKG-Hofmarschall Theo Görtz am Rande der Ausstellung. Eine Besucherin drückte dem Verdutzten vier alte EKG-Orden aus den Jahren 1951, 1952, 1955 und 1958 in die Hand.
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