Wegberg: Das Leiden der Patienten
zuletzt aktualisiert: 25.02.2011 - 15:00Im Prozess um einen der größten deutschen Klinikskandale sieht sich der Hauptangeklagte Dr. Arnold Pier (53) einer ganzen Reihe schwerer Vorwürfe ausgesetzt. Die Staatsanwaltschaft Mönchengladbach trug gestern vor dem Mönchengladbacher Landgericht den Anklagetext vor.
Demnach soll Pier als damaliger Chefarzt des Wegberger Krankenhauses den Tod von sechs Patienten in Kauf genommen und Fälle von Körperverletzung begangen haben. Pier bestreitet die gegen ihn erhobenen Vorwürfe. Er kündigte an, diese im Laufe des Verfahrens zu entkräften.
Die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft Mönchengladbach reichen von schwerer Körperverletzung über Misshandlung bis hin zu fahrlässiger Tötung. Pier habe sich eine medizinische Fachkompetenz angemaßt, über die er nicht verfügte. Er soll alle Abteilungen der Sankt Antonius Klinik mit ihren 93 Betten einem strengen Wirtschaftlichkeitspostulat unterworfen haben. So habe Pier in einigen Fällen die Gabe von Blutkonserven und Medikamenten wie Antibiotika und Heparin verweigert. Dass er in mehreren Fällen frisch gepressten Zitronensaft zum Desinfizieren offener Wunden verwendet habe, verletze die Grundregeln der Hygiene und sei medizinisch in keiner Weise vertretbar. Durch Piers Vorgehensweise seien Patienten nicht unerhebliche Leiden zugefügt worden.
Insgesamt 19 Patienten-Fälle listete die Staatsanwaltschaft Mönchengladbach gestern in dem 90-seitigen Anklagetext auf. In einem Fall sei die Behandlung einer Patientin unrechtmäßig abgebrochen worden, in einem anderen habe Pier darauf verzichtet, eine später gestorbene Patientin an eine Fachklinik zu überweisen. Dabei hätte die an der Bauchspeicheldrüse erkrankte Patientin nach Auffassung der Staatsanwaltschaft bei einer Behandlung nach heutigen medizinischen Standards in einer anderen Klinik geheilt werden können, meint die Staatsanwaltschaft.
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