Wegberg: "Dr. Pier behält unser Geld"
zuletzt aktualisiert: 25.02.2011 - 15:01Die Klinik Wegberg kommt nicht zur Ruhe: Kurz vor Prozessauftakt gegen Klinikchef Pier beklagen Mitarbeiter, dass sie kein Urlaubsgeld bekommen haben. Prof. Welter hat das Haus nach wenigen Wochen wieder verlassen.
Für Krankenschwester Christiane Merz-Valsamidis ist der Fall klar: "Dr. Pier hält sich an keinerlei Spielregeln. Offensichtlich meint er, dass Gesetze für ihn nicht gelten", sagt die Vorsitzende des Betriebsrates der Sankt Antonius Klinik. Den Hintergrund für ihre Aufregung erläutert Rechtsanwalt Michael Schmidt-Busse: Das Urlaubsgeld, das den Klinikmitarbeitern mit älteren Arbeitsverträgen zustehe, sei nicht gezahlt worden. "Ohne dass uns die Geschäftsführung etwas dazu mitgeteilt hat", ergänzt Merz-Valsamidis.
Klage angekündigt
Zwar hätten einige Mitarbeiter ihren Anspruch gegenüber der Klinikleitung in schriftlicher Form längst geltend gemacht, gezahlt worden sei das Urlaubsgeld trotzdem nicht. "Dr. Pier behält unser Geld lieber selbst", sagt Merz-Valsamidis. Weil ihnen nun nichts anderes übrig bleibe, werden nach Angaben der Betriebsratsvorsitzenden und ihres Anwalts bis zu 40 Mitarbeiter des Wegberger Krankenhauses ihr Urlaubsgeld einklagen müssen. Eva Giebels, Verwaltungsleiterin des Wegberger Krankenhauses, war für eine Stellungnahme bislang nicht zu erreichen.
Dr. Arnold Pier (53) hatte die Klinik 2006 von der Stadt Wegberg übernommen. Die Mitarbeiter unterzeichneten eine Vereinbarung, um die Zukunft des Hauses zu sichern. Darin erklärten sie, auf zehn Prozent ihres Gehaltes sowie auf Weihnachtsgeld und Urlaubsgeld zu verzichten – drei Jahre lang. Ende 2008 lief die Vereinbarung aus. Daraufhin sei das reguläre Gehalt wieder gezahlt worden, erläutert Merz-Valsamidis, "das Urlaubsgeld aber nicht."
Neue Leitung in der Chirurgie
Wie eine Krankenhausmitarbeiterin bestätigte, hat es erneut einen Wechsel in der chirurgischen Leitung gegeben. Der erst Ende Juni vorgestellte Professor Heiner Welter stehe dem Haus nicht länger zur Verfügung. Sein Nachfolger werde in den nächsten Tagen der Öffentlichkeit vorgestellt, hieß es.
Auftakt im Prozess gegen Dr. Arnold Pier ist am 17. September. Hauptanklagepunkte sind fahrlässige Tötung, Körperverletzung mit Todesfolge und Fälle von Körperverletzung. Pier darf nicht mehr ärztlich tätig sein, die Geschäfte führen kann er weiterhin. Neben Pier müssen sich sechs weitere Mediziner wegen unterlassener Hilfeleistung vor Gericht verantworten. Ein Urteil im Prozess um einen der größten Medizinskandale Deutschlands wird nicht vor März erwartet.
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