Hückelhoven: Drei Meilensteine für den Lesestart
VON ANKE BACKHAUS - zuletzt aktualisiert: 19.11.2011Hückelhoven (RP). Der kleine Jaden-Tobias, fast ein Jahr alt, schaut interessiert in sein Bilderbuch. Es ist ganz neu, und seine Mutter Daniela Feldberg zeigt ihm die bunten Bildchen, die dort zu sehen sind. Das versüßt den Besuch bei Kinderarzt Franz-Willi Kox in Ratheim enorm. Mit zufriedener Miene beobachtet auch Bundestagsmitglied Thomas Rachel (CDU) die Szenen, die einen ernsten Hintergrund haben. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung und die Stiftung Lesen haben begonnen, die Kampagne "Lesestart – drei Meilensteine für das Lesen" mit Leben zu erfüllen.
Die Zahl ist erschreckend hoch: 42 Prozent der Kinder bis zehn Jahre wird nicht vorgelesen. Kox schätzt die Zahl noch höher ein. "Es macht so viel Sinn, Kindern vorzulesen. Gerade wenn sie zu sprechen beginnen. In unserer Region kommt hinzu, dass es viele Menschen mit Migrationshintergrund gibt. Deren Kinder haben zum Zeitpunkt der Einschulung nicht viel Sprachkompetenz aufgebaut", sagte der Mediziner.
Darum, so sagte Thomas Rachel, sei man mit der Kampagne an Kinderärzte herangetreten. Das Prozedere: Die drei Meilensteine beginnen mit der U6-Vorsorgeuntersuchung beim Kinderarzt. Die Kinder sind dann etwa ein Jahr alt. Das Set beinhaltet unter anderem ein Bilderbuch. Das nächste Set gibt es, wenn die Kinder drei Jahre alt sind. Dann bekommen sie es in Bibliotheken, während die Grundschulen die Sets für die Sechsjährigen ausgeben. So werden innerhalb der nächsten acht Jahre 4,5 Millionen Sets verteilt. "Dann hoffen wir, dass die Grundschulen anknüpfen", so Rachel. "Wir müssen aber vor allem die Eltern erreichen. Sie bekommen mit den Sets eine begleitende Fibel."
Sabine Uehlein von der Stiftung Lesen erläuterte: "Untersuchungen haben gezeigt, wie positiv die Auswirkungen bei den Kindern sind, denen regelmäßig vorgelesen wird." Gute Möglichkeiten zum Vorlesen sind etwa Gute-Nacht-Geschichten. Sabine Uehlein machte dabei auch auf die Rolle der Väter beim Vorlesen aufmerksam, denn vielfach seien es die Mütter, die den Kindern die Geschichten erzählen.
50 Prozent machen schon mit
Im Kreis Heinsberg beteiligen sich bereits 50 Prozent der Kinderärzte an der Aktion, Kox rechnet aber damit, dass sich noch mehr Kollegen anschließen werden.
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