Wegberg: Echte Typen klassenweise
VON GISELA KÜCKES - zuletzt aktualisiert: 17.12.2008Wegberg (RPO). Mit der Bühnenfassung der „Feuerzangenbowle“ traf die Burghofbühne Dinslaken den Geschmack des Wegberger Publikums. Natürlich erinnerte alles irgendwie an den Film mit Heinz Rühmann – und doch wieder gar nicht. Die Schauspieler spielten ihre Rollen überzeugend.
Nur fröhliche Gesichter sah man im Forum Wegberg in der Pause der zweiten Vorstellung der Theatersaison. Erleichterung war zu spüren. „Wenn das auch nichts wäre, dann wäre das mein letztes Abo gewesen“, meinte eine seit langem treue Besucherin. Aber es wurde etwas. „Die Feuerzangenbowle“ von Heinrich Spoerl sagte allgemein zu – und das überzeugend.
„Loblied auf die Schule“
Der Inhalt dürfte aus dem Film mit Heinz Rühmann hinreichend bekannt sein: Erfolgreicher promovierter Schriftsteller holt aufgrund von Privatlehrer die in seiner Jugend nie erlebte Schulzeit nach, versetzt Mitschüler durch seine geistreichen Streiche in Verzückung, bringt Pauker zur Verzweiflung und eine junge Referendarin letztlich zur Verlobung. „Dies ist ein Loblied auf die Schule, aber es ist möglich, dass die Schule es nicht merkt“, hieß es anlässlich der Verfilmung 1944. Kräftig wird die höhere Lehranstalt karikiert, die Charaktere werden heftig überzeichnet.
Ja, es war auch Klamauk, was die Akteure des Landestheaters Burghofbühne Dinslaken brachten – aber eben der besonderen, der guten Art. Das etwas bange Gefühl vorher („Hoffentlich vergleiche ich nicht allzu sehr mit dem Film.“) war schnell vergessen, denn hervorragend waren die Rollen besetzt: Philipp Sebastian als Dr. Johannes Pfeiffer – seriös zu Beginn, spitzbübisch später und ausgesprochen sportlich. Die Schüler Husemann (Thomas Hamm), Luck (Leif Scheele), Rosen (Andreas Mayer), Knebel (Marco Pickart Alvaro) und Melworm (Felix Gattinger) – jeder eine Type für sich. Und erst die Lehrer: Direktor Knauer, genannt Zeus (Josef Hofmann), Professor Bömmel (Anton Schieffer) mit seinen Erklärungen, stets beginnend: „Da stellen wir uns mal janz dumm.“ Und dann dieser Crey, genannt Schnauz (Michael Gabel), mit seinen berühmten Sätzen: „Jäder nor einen wänzegen Schlock!“ oder: „Setzen Se sech, se send albern!“ Wie Rumpelstilzchen hüpfte er herum.
Köstlich war auch hier die Szene, in der er mit seinem Ebenbild (dem verkleideten Pfeiffer) diskutiert, wer denn nun der echte Crey sei, das alles unter den Augen vom Oberschulrat (Erwin Kleinwechter). Liebreizend dazwischen die sanfte Referendarin Eva (Iris Kunz), die natürlich das Herz von Johannes erobert, und die ebenso resolute wie trinkfeste Zimmerwirtin Frau Windscheid (Anna Haack). Welche Erkenntnis nimmt der Zuschauer aus dieser Inszenierung mit? Pfeiffer wird mit drei F geschrieben, eins vor, zwei hinter dem Ei und Komödien können ausgesprochen gut und unterhaltsam sein.
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